Konservative Abgeordnete wollten sich bei Debatte zu Homo-Ehe prügeln

In Frankreich hat die Debatte über die Einführung der Homoehe im Parlament beinahe mit einer Schlägerei geendet: Abgeordnete der konservativen UMP stürmten in der Nacht zum Freitag auf die Regierungsbänke der Sozialisten in der Nationalversammlung und wurden dort handgreiflich.

Saaldiener und der Minister für die Verbindungen zum Parlament, Alain Vidalies, stellten sich dazwischen und konnten so eine Schlägerei verhindern. Grund für die Attacke sei gewesen, dass sich ein Mitarbeiter von Justizministerin Christiane Taubira über sie lustig gemacht habe, gab die UMP an. Vidalies sagte, in den 30 Jahren, die er schon im Parlament sei, habe er „so etwas noch nie gesehen“.

Die Nationalversammlung hat um 7.35 Uhr ihre zweite Lesung zu den Gesetzen zur Öffnung der Ehe abgeschlossen und wird voraussichtlich am Dienstag endgültig darüber abstimmen. Eine erneute Annahme der „Ehe für alle“ gilt als sicher. Die UMP will dagegen allerdings umgehend Beschwerde beim Verfassungsrat einlegen.

Besonders kirchliche und konservative Kreise machen gegen eine Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare mobil. Eine Mehrheit der Franzosen unterstützt aber dieses Prestigeprojekt von Präsident François Hollande. An neuen Demonstrationen der Homo-Ehe-Gegner nahmen gestern abend in mehreren Städten Frankreichs tausende Menschen teil. In Paris wurden 75 Demonstranten wegen Gewalttätigkeiten, teils gegen Polizisten, festgenommen. Drei von ihnen waren heute noch in Polizeigewahrsam. Die Demonstranten hatten in der Nähe der Nationalversammlung protestiert, mehrere UMP-Abgeordnete wechselten daher zwischen Debatte und Demo.