Frankreich beschließt ‚Ehe für alle‘

Die französische Nationalversammlung hat vor wenigen Minuten die „Ehe für alle“ beschlossen. Damit wird die Zivilehe geöffnet. Schwule und lesbische Paare haben somit in Frankreich nun die gleichen Rechte wie heterosexuelle. Während die Öffnung der Ehe von den meisten Franzosen begrüßt wird, ist die Stimmung bei der Freigabe der Adoption geteilt. Die Gegner der Homo-Ehe geben ihre Niederlage zu – geschlagen geben sie sich aber nicht.

Das Votum war eindeutig: 556 der 566 Stimmen waren gültig. 331 Angeordnete stimmten dafür, Ehe und Adoption für schwule und lesbische Paare zu öffnen, 225 Abgeordnete waren dagegen.

„Ich hoffe, die Leute in diesem Land werden diesen Moment feiern“, freut sich der 31-jährige Aktivist Martin Gaillard gegenüber dem Nachrichtenkanal France 24. Frankreich ist damit das 9. europäische Land, das die Ehe für Lesben und Schwule geöffnet hat.

Drohbrief gegen Parlamentspräsidenten

Die Gegner der Ehe-Öffnung in Frankreich geben nicht auf: So hat der Vorsitzende der Nationalversammlung, Claude Bartolone, gestern einen mit Schießpulver gefüllten Drohbrief erhalten. In dem Schreiben wurde gefordert, die heutige Abstimmung sofort abzusagen. „Unsere Methoden sind radikaler und flinker als die Demonstrationen. Ihr wolltet den Krieg, nun habt ihr ihn“, droht eine Gruppe mit dem Namen „Interaktion der Ordnungskräfte“.

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen bereits aufgenommen. Bereits vorher waren zwei sozialistische Abgeordnete aus dem Westen Frankreichs massiv bedroht worden.

Gegner machen weiter mobil

Die konservative Opposition hat bereits im Vorfeld angekündigt, Beschwerde vor dem Verfassungsrat einzulegen. Neue Demonstrationen sind für den 5. und 26. Mai geplant. Und auch der nächste Aufruhr scheint vorhersehbar: Die Sozialisten wollen auch die künstliche Befruchtung für Lesben ermöglichen und ein dem entsprechendes Gesetz verabschieden.