HOSI Wien gegen Öffnung der Ehe

Die HOSI Wien ist gegen eine vollständige Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule. Man fordere zwar „weiterhin die Beseitigung noch bestehender Benachteiligungen der Eingetragenen Partnerschaft (EP) gegenüber der Ehe, ausdrücklich jedoch nicht bestimmter Unterschiede, die wir als positiv erachten“, so die neu gewählte Obfrau Cécile Balbous.

Dazu zählt zum Beispiel, dass Lesben und Schwule in Österreich erst volljährig eine Eingetragene Partnerschaft eingehen können, heterosexuelle Paare aber schon zwei Jahre früher heiraten können.

Die HOSI Wien als ältester Lesben- und Schwulenverband Österreichs hat bei seiner Generalversammlung am Samstag ein neues, komplett überarbeitetes Forderungsprogramm verabschiedet. „Diese Neufassung war dringend notwendig“, erklärt der wiedergewählte Obmann Christian Högl, „denn die alte Fassung stammte noch aus 1989. Die meisten der damals formulierten Forderungen haben wir ja seither durchsetzen können, und in vielen Bereichen haben Veränderungen und Weiterentwicklungen in diesen 24 Jahren manche Forderung obsolet werden lassen.“

„Fortschrittlicher und differenzierter Ansatz“ statt einfacher Ehe-Öffnung

Dazu gehört auch die Gleichstellung schwuler und lesbischer Paare. Die HOSI Wien habe bei diesem Thema einen „fortschrittlichen und differenzierten Ansatz“, so Balbous. Deshalb lehne man eine einfache Angleichung des „mittlerweile veralteten patriarchalen Modell der Versorgungsehe“ ab.

Die Ehe solle nur dann für Lesben und Schwule geöffnet werden, wenn „der parallele Fortbestand einer modernen – und zusätzlich reformierten – EP sichergestellt ist“, so die HOSI Wien. Würde eine geöffnete Ehe die Eingetragene Partnerschaft ersetzen, würde man das nur dann unterstützen, „wenn die Ehe vorher modernisiert und den heutigen Bedürfnissen der Menschen angepasst wird“.

Weiters sollen Lebensgemeinschaften nach den Vorstellungen der HOSI Wien mehr Rechte bekommen, wobei diese Rechte „nach Möglichkeit überhaupt unabhängig von staatlich sanktionierten PartnerInnenbeziehungen und vom Familienstand individuell gewährt werden sollten“.

Künstliche Befruchtung für Lesben okay, Leihmütter für Schwule nicht

Weiters fordert die HOSI Wien für gleichgeschlechtliche Paare die Möglichkeit einer Adoption unabhängig vom Familienstand. Auch sollen Lesben uneingeschränkten Zugang zur künstlichen Befruchtung bekommen – ebenfalls unabhängig davon, ob sie alleinstehend oder in einer Partnerschaft leben.

Dem Kinderwunsch von schwulen Paaren steht die HOSI Wien allerdings nicht ganz so offen entgegen: Man spreche sich klar gegen die Leihmutterschaft aus. „Angesichts der wirtschaftlichen Ungleichheiten zwischen arm und reich sowie zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden sehen wir die Gefahr, dass die wirtschaftliche Situation von Frauen ausgenutzt wird und sie in manchen Regionen der Welt sogar dazu gezwungen werden“, so das Forderungsprogramm der HOSI Wien.

Derzeit ist die Leihmutterschaft in Österreich verboten, in anderen Ländern wie den USA, Großbritannien oder den Niederlanden aber erlaubt.

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