Türkei: Vater soll Sohn erschossen haben, weil er schwul war

In der osttürkischen Provinz Diyarbakır steht ein Vater vor Gericht: Er soll seinen 17-jährigen Sohn erschossen haben, weil er schwul war. Er selbst spricht von einem Unfall, die Familie versucht, den Vater zu decken.

Der 17-jährige Roşin wurde letzten September am Straßenrand nahe eines Krankenhauses aufgefunden – erschossen. Bald war klar: Es dürfte sich um einen „Ehrenmord“ gehandelt haben. Nun stehen der Vater des Burschen und seine beiden Brüder vor Gericht.

Vater spricht von „Unfall“ – und wollte Sohn „heilen“

Vor Gericht hat der Vater zugegeben, seinen Sohn erschossen zu haben. Allerdings habe es sich um einen Unfall gehandelt, beteuert der Vater. Sein Sohn sei von zu Hause ausgerissen und er habe ihn lediglich suchen wollen um ihn von seiner Homosexualität zu „heilen“ , gab der Mann zu Protokoll: „Ich habe ihn gefragt, was sein Problem ist. Er hat angefangen, mich zu beleidigen. Er hat mich gewürgt und geschlagen. Ich wollte ihn heilen. Als er mich angegriffen hat, habe ich ihn mit dem Kolben der Pistole geschlagen. Da hat sich ein Schuss gelöst.“

Die Staatsanwaltschaft glaubt die Beteuerungen des Vaters nicht: Vor seinem Mord sei Roşin schwer misshandelt worden – und auch sein jüngerer Bruder widerspricht vor Gericht der eigenen Familie.

Bruder des Toten belastet Onkel schwer

Er sagte aus, dass der Mord an dem 17-Jährigen schon länger geplant war: „Mein Onkel hat mir gesagt: ‚Ich werde ihn umbringen und du musst die Schuld auf dich nehmen. Wir werden ihn am Straßenrand ablegen‘. Ich habe mich geweigert.“ Am Abend vor der Tat soll der Onkel dem Vater gedroht haben: „Wenn du ihn heute nicht umbringst, bringe ich dich morgen um“.

Doch nicht einmal die eigene Mutter möchte offenbar den Mord an ihrem Sohn bestraft wissen. Sie unterbrach ihren Sohn: „Du weißt nicht, was du sagst!“ Journalisten sagte sie, wäre Roşin wirklich schwul gewesen, „hätte ich ihn mit meinen eigenen Händen getötet“.

Der Staatsanwalt fordert für alle drei Männer lebenslange Haftstrafen. Es wäre das erste Mal, dass bei einem solchen „Ehrenmord“ in der Türkei die Höchststrafe verhängt werden würde.