Öffnet Deutschland die Blutspende für schwule Männer?

In Deutschland könnte schon bald das Blutspendeverbot für schwule Männer fallen. Die Bundesärztekammer möchte, dass künftig Menschen beispielsweise aufgrund ihres Risikoverhaltens und nicht aufgrund ihrer sexuellen Orientierung als Spender in Frage kommen – oder eben nicht.

Derzeit dürfen in Deutschland, wie auch in Österreich, Männer kein Blut spenden, die mindestens einmal Sex mit Männern haben. Bei Heterosexuellen sind dagegen nur Männer ausgeschlossen, die „sexuelles Risikoverhalten“ an den Tag legen, zum Beispiel oft wechselnde Sex-Partnerinnen. Schwul-lesbische Gruppen und die Aids-Hilfe beklagen diese Politik als „diskriminierend“.

Der deutsche Gesundheitsminister Daniel Bahr von der FDP unterstützt den Vorstoß der Ärztekammer. „Der faktische Ausschluss von homosexuellen Männern wird nicht verstanden. Wir brauchen mehr Menschen, die bereit sind, Blut zu spenden. Wenn bessere medizinische Kriterien von den Experten gefunden werden, ist das ein Fortschritt“, so Bahr.

Einen Fortschritt, den es in anderen Ländern bereits gibt: In Spanien gibt es keine Diskriminierung beim Blutspenden, und auch in Großbritannien dürfen Schwule seit 2011 Blut spenden, wenn sie ein Jahr zuvor keinen Sex hatten. In den Niederlanden wurde das Blutspendeverbot im letzten Jahr aufgehoben. Auch in Spanien, Italien oder Polen dürfen schwule Männer, sofern ihr Sexualverhalten als sicher gilt, mit ihrem Blut Leben retten.

Schwule Männer werden in Deutschland und Österreich vom Blutspenden ausgeschlossen, weil trotz moderner Tests eine HIV-Infektion in den ersten Tagen nicht nachgewiesen werden kann. Deshalb gelten sie pauschal als Risikogruppe.