Beatrix Karl trennt Kirche und Staat doch nicht so ganz

Die Nationalratswahl naht – und die ÖVP versucht, ihr konservatives Weltbild mit aller Kraft zu verteidigen. Diesmal ist es Justizministerin Beatrix Karl, die mit ihren Äußerungen für Kopfschütteln sorgt.

Das Afro-Asiatische Institut in Graz sowie das Bürgermeisteramt hatten in den Minoritensaal geladen, um eine Konferenz über das friedliche Miteinander der Religionen und Kulturen in Europa zu eröffnen. Unter den Rednern: Beatrix Karl, Grazern und Spitzenkandidatin der ÖVP in der Steiermark.

Wie der „Standard“ berichtet, erklärte sie vor Zuhörern wie Luka Girardi von der Israelitischen Kultusgemeinde und Fuat Sanaç von der Islamischen Glaubensgemeinschaft, wie wichtig es in einer „modernen Demokratie“ sei, Religion und Staat zu trennen.

Einen Satz später widersprach sie sich allerdings in alter ÖVP-Manier: Sie betonte, ihre Religion sei „wertegebend“ und fließe „natürlich“ auch in die Politik ein.

Als Beispiel dafür, wie sie Religion und Staat nicht trennt, nannte Karl die Familienrechtsreform oder die „klare Position, die Fremdkindadoption eben nicht für Homosexuelle zu öffnen“.

Auf Facebook folgte ein Sturm der Entrüstung. Ein User würde Karl am liebsten den „Mitzi-Fekter-Award für ÖVP-Verbalfürze“ verleihen, ein anderer vermutet, die Justizministerin habe „bei ihren Kirchgängen sicher zu viel Kerzenwachs in die Ohren bekommen“.

Doch Karls Äußerung zeigt, wo sich die ÖVP in den folgenden Wochen hinbewegen wird: Im Wahlkampf wird es klare konservative Parolen geben, die eine Gleichstellung von Lesben und Schwulen deutlich ausschließen.