Berlin empfiehlt Meningokokken-Schutzimpfung für schwule Männer

Auch in Berlin sind mittlerweile drei schwule Männer an einer bakteriell übertragbaren Gehirnhautentzündung gestorben. Ein vierter Betroffener ist „dauerhaft schwer erkrankt“, wie die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales mitteilt. Nun empfiehlt der Berliner Impfbeirat Männern, die Sex mit Männern haben, eine Schutzimpfung gegen Meningokokken-Erkrankungen. Die Regelung wird voraussichtlich am 27. Juli in Kraft treten und ist vorerst bis 31. Jänner 2014 befristet.

Infektionen von New York über Paris nach Berlin?

Bis jetzt waren Todesfälle durch bakterielle Gehirnhautentzündung unter schwulen Männern vor allem aus New York gemeldet worden. Dort erkrankten mindestens 22 Männer, sieben starben. In Los Angeles gab es drei Todesfälle, zuletzt warnten die Behörden in Paris vor einer Meningokokken-Infektion. Auch dort soll es drei Fälle gegeben haben. Ein Belgier, der kurz zuvor in London war, zeigte ebenfalls Symptome.

Wie die Senatsverwaltung mitteilt, gab es dieses Jahr in Berlin bereits sieben Erkrankungen durch die Untergruppe C, die als gefährlichste gilt. Darunter auch zwei 24-Jährige, die in Kontakt zueinander standen und im Mai innerhalb von zwei Tagen ins Krankenhaus kamen. Einer ist verstorben, der andere liegt im Koma. Ein dritter Fall betrifft einen 22-Jährigen, der im Februar an der Infektion starb. Keiner der Männer war offenbar HIV-positiv.

Heftige Küsse reichen für Infektion

Meningokokken sind Bakterien im Nasen-Rachen-Raum, die durch Küssen, Husten, Spucken, Oral- oder Analsex übertragen werden können. Rund 40 Prozent der Männer, die Sex mit Männern haben, dürften Träger dieser Bakterien sein – oft, ohne selbst zu erkranken.

Eine Erkrankung kann zu schweren Komplikationen und bleibenden Schäden führen. In zwei Drittel der Fälle kommt es zu einer Gehirnhautentzündung, in einem Drittel zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung. In bis zu 20 Prozent der Fälle kann es zu bleibenden Schäden kommen, die Sterblichkeit liegt bei bis zu zehn Prozent. Der einzige Schutz gegen eine Erkrankung ist eine Impfung.

Diese Impfung wird in Deutschland für alle Kinder bis zum 18. Lebensjahr empfohlen. Bei Erwachsenen empfiehlt das Robert-Koch-Institut eine Impfung unter anderem für HIV-Positive. Die Berliner Impfkommission ergänzt diese Empfehlung nun um alle Männer, die Sex mit Männern haben.