So werden junge Schwule von russischen Neonazis gefoltert

Die Jagd auf Schwule in Russland ist eröffnet – nicht nur sprichwörtlich: In immer mehr Städten jagen Neonazis junge Schwule, verprügeln und demütigen sie öffentlich. Passanten bestärken die Täter, einige Opfer sollen auch schon Selbstmord verübt haben.

18-jährige „Pädophile“ waren die ersten Opfer

Der gefährliche Trend begann mit der Gruppe „Occupy Pedophilyaj“, die pädophile schwule Männer outen wollte. Wobei diese „Pädophilen“ oft junge Schwule zwischen 18 und 20 Jahren sind.

Kopf der Gruppe ist der 29-jährige Moskauer Maxim Martsinkewisch. Im Internet posiert er mit einer Uniform, auf der das Zeichen der Waffen-SS prangt. Sein Spitzname: „Hackebeil“.

Öffentlich gedemütigt, Video an Eltern geschickt

Die Männer locken die jungen Schwulen mit Hilfe eines Lockvogels über „VKontakte.ru“, das russische Gegenstück zu Facebook, in eine Falle. Dort wird das Opfer verprügelt und gedemütigt. Dann muss es vor laufender Kamera zugeben, eine „nicht traditionelle“ Neigung zu haben – diese Formulierung wird auch im Gesetz gegen „Homo-Propaganda“ verwendet.

Anschließend muss es seine persönlichen Daten, inklusive Adresse und Name der Eltern und seiner Schule, bekanntgeben. Meistens werden die Opfer dann auch noch weiter gedemütigt, indem sie mit Urin überschüttet werden oder ihn trinken müssen. Manche Burschen mussten auch vor laufender Kamera an einem Dildo lutschen. Das Video wird dann ins Internet gestellt und an Eltern und Freunde der Opfer verschickt.

Nun sind auch Kinder der perversen Neonazis

Nun hat diese Form der öffentlichen Demütigung noch eine Steigerung erfahren: „Occupy gerontofilya“ lockt 12- bis 15-jährige Burschen, die einen älteren Freund suchen, in die Falle. Hinter dieser Gruppe steht ein 16-jähriger Neonazi namens Philip Razinsky. Sein Spitzname: Dönitz, nach dem engen Gefolgsmann Hitlers. Nachdem er einige Zeit lang ein Gefolgsmann von Martsinkewisch war, gründete er bald seine eigene Gruppe.

Und auch, wenn VKontakte mittlerweile einige Profile und Videos gesperrt hat – Razinsky ist dort weiter online. Ebenfalls nicht gesperrt ist seine Gruppe „Kinder 1488“. Dort wird Hetzjagd auf die meist anonymen Jugendlichen gemacht, die beim LGBT-Projekt „Kinder 404“ von ihrer Sexualität berichten. Sie sollen identifiziert werden, auch zu Gewalt und Mord wird aufgerufen.

12-Jähriger als Opfer – Behörden reagieren nicht

Besonders schockierend ist der Fall eines 12-Jährigen, der den Neonazis rund um „Dönitz“ in der Stadt Tambow in die Falle ging: Er sollte etwas Geld bekommen, wenn er in einem Park einen 23-Jährigen küsst, wurde ihm versprochen. Stattdessen wurde er vor laufender Kamera misshandelt und gedemütigt, bis er in Tränen aufgelöst war. Das Video landete im Internet.

In kürzester Zeit wurde das Video über 1000 Mal angeklickt. Und obwohl die Übergriffe in der Öffentlichkeit und bei helllichtem Tag geschehen, greifen Passanten nicht ein. Im Gegenteil: Einige beschimpfen die Opfer oder applaudieren sogar.

Die Behörden sehen keinen Grund einzuschreiten. Man wolle aber mit den Beteiligten und deren Eltern „vorbeugende Gespräche“ führen. Anzeige möchte die Mutter des Burschen nicht erstatten. Dafür will sie ihren Sohn aus der Schule nehmen und überlegt, in eine andere Stadt zu ziehen. Wie der russische Schwulenaktivist Nikolai Alexejew berichtet, sollen einige Opfer schon Selbstmord vor Scham begangen haben. Die meisten Videos sind über diverse Videoplattformen noch immer zugänglich.

Und sogar, wenn die Neonazis für ihre demütigenden Videos und Erpressungsversuche vor Gericht kommen würden, wäre eine Verurteilung unwahrscheinlich. Schließlich ist die Mutter eines der Täter Jugendrichterin in Tambow.