16 Jahre verschwunden: Familienvater kam als schwuler Mann zurück

Weil er schwul ist, hat sich ein Mann aus Arizona 16 Jahre lang vor seiner Familie totgestellt. Als er sie wieder sehen wollte, wollte diese nichts mehr von ihm wissen. Dem US-Sender ABC erzählte er nun seine Geschichte.

Eric Myers lebte den amerikanischen Traum: Er hat seine Jugendliebe Anne geheiratet, hatte mit ihr zwei Töchter, Erin und Kirsten, dann adoptierten sie noch drei Kinder aus Vietnam, sie hatten zwei Autos und ein nettes Haus. Doch der gläubige Immobilienmakler hatte ein Geheimnis: Er war schwul.

Glaube gab keine Lösung für Anziehung zu Männern

„Ich habe immer geglaubt, dass mein Glaube mir hilft, meine inneren Gefühle zu bekämpfen“, erinnert er sich. Doch der Glaube half nicht. Und weil weder ein Outing noch eine Scheidung in Frage kamen, verschwand er 1991 von der Bildfläche. Bei einer Dienstreise nach San Diego hat er die Gelegenheit genutzt und verschwand spurlos. Der damals 34-Jährige wollte alles hinter sich lassen und noch einmal neu anfangen. Das gelang ihm gut: Die Polizei schloss den Fall, weil sie keine Spur fand. Auch ein Privatdetektiv fand keine Hinweise über den Verbleib von Eric Myers. Die Familie trauerte, Eric Myers wurde für tot erklärt. Die Lebensversicherung zahlte 800.000 Dollar an die verzweifelte Witwe aus.

Doch Eric Myers war nicht tot – er lebte zunächst unter falschem Namen in mexikanischen Badeort Cabo San Lucas. Er schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch und lernte den kanadischen Touristen Sean kennen und lieben. Die beiden heiraten. Sie ziehen nach Kalifornien, Eric lebt dort wie ein illegaler Einwanderer – ohne Papiere.

Familie bei Kontaktaufnahme geschockt

Doch dann begann Eric Myers, seine Familie zu vermissen. Und das Drama begann. Im Jahr 2007 nahm er über eine E-Mail Kontakt zu seiner Frau auf. „Meine Flucht war die egoistischste Entscheidung meines Lebens“, sagt er heute. Und das ist so ziemlich das Einzige, in dem er und seine Familie sich einig sind.

Denn die Verlassenen können die Entscheidung ihres Ehemanns und Vaters bis heute nicht akzeptieren. Sie lehnen jeden Kontakt zu Eric Myers ab. Ehefrau Anne, die neu verheiratet ist, möchte über ihren Ex-Mann nicht sprechen – zu tief sitzt die Wut. Immerhin musste sie auch die Lebensversicherung wieder zurückzahlen.

Tochter versteht Entscheidung des Vaters nicht

Nur Kirsten Myers Ruggiano, die jüngste Tochter, möchte über das Erlebte sprechen. Sie wurde durch das Trauma zur Alkoholikerin: „Ich erinnere mich, wie ich mit elf Jahren zum ersten Mal Wein getrunken habe“, erzählt sie. Jede Nacht habe sie um ihren Vater geweint. Ohne ihre Mutter hätte sie diese Zeit nicht überstanden. „Ich habe geschrien, dass ich meinen Vater zurückhaben wollte“, sagt sie. Doch er kam nicht.

Die Entscheidung ihres Vaters versteht sie bis heute nicht: „Wenn uns unser Vater nur halb so geliebt hätte, wie ich meine Söhne und Töchter heute liebe, dann hätte er uns das niemals angetan.“

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