London: Mehr HIV-Neuinfektionen durch Partydrogen?

Partydrogen sollen in London zu einem Anstieg der HIV-Neudiagnosen unter schwulen Männern führen. In dieser Gruppe ist die Zahl der neu entdeckten HIV-Infektionen innerhalb eines Jahres um 20 Prozent gestiegen.

Mehr Sex auf Meth oder Liquid Ecstasy

Es gebe „anekdotenhafte Hinweise aus Alkohol- und Drogenkliniken in London, dass Drogenmissbrauch unter schwulen Männern zunimmt“, heißt es aus der Gesundheitsbehörde. Besonders Sex auf Crystal Meth, GHB und Mephedron werde in Teilen der Szene immer beliebter, vermutet die Behörde. Das würde die Zahl der neu entdeckten HIV-Infektionen nach oben treiben.

Und die Zahlen scheinen dieses Ergebnis zu belegen: Im letzten Jahr wurden 1.720 Neuinfektionen unter schwulen und bisexuellen Männern festgestellt. Das sind um 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Ein Teil dieses Anstiegs sei zwar auf eine erhöhte Testbereitschaft zurückzuführen, ein großer Teil ginge aber auf unsafen Sex unter Drogen zurück.

Kondommüdigkeit treibt neue Blüten

David Stuart, Leiter einer Drogenklinik im Londoner Stadtteil Soho, erklärte dem „Independent“, dass praktisch alle schwulen Patienten Drogen für Sex benutzt hätten. „Diese Zahl steigt rapide an und die Kultur wird immer chaotischer und gefährlicher“, warnt der Experte.

Das Fachmagazin „Lancet“ berichtet außerdem, dass sich unter Schwulen in London eine neue Art der Kondom-Müdigkeit ausbreitet: Um ohne Gummi auf Bareback-Partys gehen zu können, borgen sich HIV-negative Männer die Medikamente ihrer positiven Freunde aus – eine selbstgebastelte PrEP, quasi. Wie wirksam diese dann wirklich ist, darf vermutlich bezweifelt werden.