Russischer Sportminister blamiert Internationales Olympisches Komitee

Jenes Gesetz, das „Homo-Propaganda“ in Russland verbietet, wird gerade zum PR-Debakel für das Internationale Olympische Komitee (IOC): Denn entgegen ersten anderslautenden Informationen würde das Gesetz auch bei den Winterspielen nächstes Jahr in Sotschi brutal exekutiert werden. Athleten sind besorgt.

IOC: „Anti-Homo-Propaganda-Gesetz nicht während der Spiele“

Am Dienstag schien die Welt noch in Ordnung: Das IOC teilte mit, es habe „von höchster Regierungsstelle in Russland Zusicherungen erhalten, dass das Gesetz diejenigen, die an den Spielen teilnehmen oder sie besuchen, nicht betreffen wird“.

Stimmt nicht, sagte zwei Tage später Witali Mutko, russischer Minister für Sport, Tourismus und Jugend: „Niemand verbietet Athleten mit nicht traditioneller sexueller Orientierung, nach Sotschi zu kommen, aber wenn sie diese auf der Straße propagieren, werden sie dafür zur Verantwortung gezogen“, macht er seine Position klar. Vitali Milonow, der das Gesetz gegen „Homo-Propaganda“ in St. Petersburg auf den Weg gebracht hat, pflichtet ihm bei: „Wenn Du einen guten Lauf machst, heißt das nicht, dass du Kinder verführen darfst“, sagte er russischen Medien.

Athleten gegen Boykott, aber für Protest

„Auf der Straße propagieren“ heißt, dass homosexuelle Athleten einfach Händchen halten oder zum Beispiel einen Regenbogen-Pin tragen, wie es der neuseeländische Speedskater Blake Skjellerup angekündigt hat. Die mögliche Strafe dafür: Bis zu 15 Tage Arrest und eine Ausweisung aus Russland.

Ein Boykott der Spiele wäre für Skjellerup keine gute Idee. „Wir Olympioniken haben sehr, sehr hart dafür gearbeitet, dort vor Ort zu sein. Und ein Boykott würde die russische Politik nicht beeinflussen, nur für uns Athleten hätte er Konsequenzen. Der beste Weg, eine Veränderung herbeizuführen, ist, Präsenz zu zeigen“, sagt er gegenüber der „Huffington Post“.

Deutliche Worte des schwedischen Außenministers

Kritik am Verhalten der Russen kommt unterdessen von der Politik: Der schwedische Außenminister Carl Bildt kritisierte über Twitter die wachsende Schwulenfeindlichkeit in Russland. Er nannte die staatliche Verfolgung „widerlich“ und „inhuman“.

Auch der Bürgermeister der kanadischen Stadt Vancouver, in der die letzten Olympischen Winterspiele stattgefunden haben, äußert sich kritisch: Der Sozialdemokrat Gregor Robertson sei über die „gewalttätigen Aktionen gegen die LGBT-Community in Russland vor den Spielen in Sotschi erschrocken“. Das kanadische Olympiateam wird am Wochenende bei der Vancouver Pride mitmarschieren, wie auch zuvor in Toronto.