Österreich hat seinen ersten offen schwulen Diplomaten

Österreich hat seinen ersten offen schwulen Botschafter: Johann Spitzer wurde letzten Dienstag in der litauischen Hauptstadt Vilnius von Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite empfangen. Der 54-Jährige ist seit über 20 Jahren mit einem aus Ungarn stammenden Skandinavisten zusammen. Die beiden Männer leben in einer Eingetragenen Partnerschaft.

Außenministerium bleibt diskret

Das Außenamt ist bei einer Stellungnahme über den ersten offen homosexuell lebenden Diplomaten der Republik schweigsam. Seine sexuelle Orientierung habe Spitzer „weder geholfen noch geschadet“, er sei einfach „der bestgeeignete Bewerber“, so ein Sprecher des Ministeriums gegenüber dem „Standard“.

Für Spitzer ist es kein Wunder, dass das Außenamt so verhalten reagiert. Schließlich gehöre es zum Geschäft, dass man „tendenziell höflich und diskret“ sei. Der Weg zum ersten offen schwulen Botschafter war aber nicht immer leicht.

Spitzer klagte Republik wegen Rechte für Partner

Das betraf vor allem den Partner von Spitzer: Bis zur Einführung von Eingetragenen Partnerschaften galten schwule und lesbische Diplomaten in einer Beziehung rechtlich als alleinstehend. Ein „kraftraubender Zustand“, wie Spitzer heute auch zugibt. Das heißt, Spitzers Partner kam nicht in den Genuss von Erleichterungen, wie sie Partner von Botschaftsangehörigen normalerweise bekommen. Dazu gehört zum Beispiel die Krankenversicherung im Ausland.

Um zumindest diese zu bekommen, klagten Spitzer und sein Partner die Republik vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Und sie bekamen recht. Im Jahr 2010 wurde Österreich zu 25.000 Euro Schadenersatz verurteilt. Noch wichtiger: Zum ersten Mal ging Straßburg davon aus, dass schwule und lesbische Paare ein Familienleben führen. Eine Erkenntnis, die seitdem in allen Mitgliedsländern des Europarats anzuwenden ist.

So auch in Litauen, der neuen Arbeitsstelle von Johann Spitzer. Leicht wird es der erste offen schwule Diplomat Österreichs nicht haben. „Die Stellung der katholischen Kirche ist hier so wichtig wie in Polen“, erklärt der Diplomat dem „Standard“.