Nikolai Aleksejew: Rückzug nach Beleidigungen von Michael Lucas?

Was die russischen Behörden mit all ihrer Macht in den letzten acht Jahren nicht geschafft haben, könnte nun der US-amerikanische Pornoproduzent Michael Lucas zusammengebracht haben: Den russischen Lesben- und Schwulenaktivisten Nikolai Aleksejew zum Aufgeben zu bringen.

„Lesben und Schwule können Aleksejew nicht mehr trauen“

In einem Kommentar für das amerikanische Magazin „Out“ bezeichnete Lucas Aleksejew als „schwules Schoßhündchen“ des Kreml. Ihm könne, so der Pornoproduzent, „nicht länger als Anwalt für schwul-lesbische Russen getraut werden“.

Lucas, der in Russland aufgewachsen ist, bezieht sich dabei auf ein Interview von Aleksejew im russischen Staatsfernsehen, in dem er gesagt haben soll, dass Lesben und Schwule in Russland nicht verfolgt werden würden und es sich bei entsprechenden Berichten um westliche Propaganda handle.

„Wenn in Russland ‚Schwule die neuen Juden‘ sind, wie viele Menschen sagen, ist Nikolai Aleksejew das neue Anti-Zionistische Komitee“, schreibt Lucas. Das Anti-Zionistische Komitee war in der Sowjetunion eine regierungstreue Gruppe von Juden, die die antisemitische Politik des Landes verteidigt haben.

Russland wisse, dass die Proteste rund um die Olympischen Winterspiele in Sotschi langsam Wirkung zeigten, so Lucas weiter. Und er fragt: „Wie könnte man diese Bewegung besser aufhalten – und den Westen, der dafür arbeitet irritieren und entmutigen – als indem man die Bedeutung des bekanntesten Vertreters herunterspielt und es als westliche Verschwörung abtut?“

Twitter-Drohungen von Aleksejew gegen Lucas

Das war Aleksejew zuviel: Über Twitter begann er einen Kleinkrieg mit Michael Lucas. Zunächst kündigte er an, den Pornoproduzenten zu verklagen.

Wenig später kündigte er in einer Serie von sehr eingeschnappt klingenden Tweets an, sein Engagement für die schwul-lesbische Bewegung in Russland einzustellen. So schrieb er zum Beispiel: „Alle 30 Fälle vor dem Europäischen Menschenrechts-Gerichtshof über alle Bereiche von Verletzungen von Menschenrechten an LGBT werden zurückgezogen, dank Michael Lucas“ oder „Die Welt kann sich bei Michael Lucas bedanken, dass ich mich entschieden habe, mit dem LGBT-Aktivismus aufzuhören. Ich habe nur mein eigenes Geld ausgegeben und Anschuldigungen bekommen.“

Auf Facebook legte Aleksejew noch einmal nach: „Meine lieben Freunde, es ist nicht die russische Regierung, die mich gestoppt hat, aber amerikanische Anschuldigungen und Verleumdungen. Ich habe genug, ich bin fertig.“ Seinen Twitter-Account will er „innerhalb von 24 Stunden“ schließen.

„Wenn meine Mutter stirbt, bringe ich dich um“

Ob Aleksejew wirklich wegen Lucas aufhört, sich für Lesben und Schwule zu engagieren, ist fraglich. Vielleicht ist er auch ein Opfer des Drucks, den der Kreml in den letzten Tagen auf ihn ausübt. Darauf würde der letzte Tweet hindeuten, den Aleksejew in dieser Sache abgeschickt hat: „Wenn meine 72-jährige Mutter wegen dem Artikel von Michael Lucas stirbt, werde ich persönlich einen Killer anheuern. Er wird nicht ungeschoren davonkommen.“

Michael Lucas bezeichnet diese Entwicklungen als „sehr schade“ und fügt hinzu: „Eine weitere Stimme wurde vom Kreml zum Schweigen gebracht.“ Auf Twitter fordern Freunde und andere Aktivisten aus aller Welt Aleksejew mittlerweile auf, seinen Kampf für Lesben und Schwule in Russland nicht einzustellen.