‚Enough is Enough‘: Gebürtiger Wiener organisiert Berliner Demo für Homo-Rechte in Russland

In Berlin findet morgen, Samstag, eine große Demonstration gegen Homophobie in Russland statt. Organisiert wird sie unter anderem von einem jungen Wiener Fotografen, der sich zuvor noch nie politisch engagiert hat.

Eigentlich hat sich der 23-jährige Julian Laidig in der Berlin ganz gut etabliert: Genügend Aufträge und Freunde haben dafür gesorgt, dass er nicht bereut hat, Wien verlassen zu haben. Eigentlich hatte er ein schönes und gemütliches Leben. Bis vor einigen Wochen.

Mehr als 8.000 Demonstranten erwartet

Denn da hat Laidig gemeinsam mit einigen Freunden den Beschluss gefasst, sich gegen die Gesetze gegen „Homo-Propaganda“ in Russland zu engagieren und sich das erste Mal in seinem Leben politisch zu engagieren. „Enough is Enough“ – genug ist genug – heißt die Demonstration, die er maßgeblich mitorganisiert. Morgen um 12.00 Uhr geht es los, und 8.000 Demonstranten sind bei den Behörden angemeldet. Doch die Polizei rechnet mit mehr. Damit könnte es weltweit eine der größten Aktionen gegen das russische „Anti-Homo-Propaganda“-Gesetz werden.

Die Route führt über den Kurfürstendamm und den Nollendorfplatz zum Potsdamer Platz und endet über das Brandenburger Tor vor der russischen Botschaft.

Vom Pokertisch zum Aktivisten

Die Idee, eine Demonstration abzuhalten, kam beim Pokern. Sieben Schwule und Lesben saßen zusammen, darunter auch Laidig. Man diskutierte, unter anderem auch über Berliner Drag-Queen Barbie Breakout, die sich aus Protest gegen Russland den Mund zugenäht hatte. Das war für den jungen Fotografen und seine Freunde der Auslöser, auch etwas für Lesben und Schwule in Russland zu tun.

Erfahrung mit dem Organisieren einer Demonstration hatten sie nicht. „Wir haben sie als ersten Schritt ganz naiv beim Bezirksamt angemeldet. Dann ging es erst los“, erinnert sich Laidig in der Berliner „Morgenpost“. Dann wurde eine Facebook-Gruppe gegründet. Sie hatte innerhalb von vier Tagen 2.000 Mitglieder. Ein Erfolg, der das junge Team selbst überraschte.

Unterstützung von allen Seiten

Die Demonstration gewann mit der Zeit enorm an Eigendynamik: Mittlerweile unterstützen Künstler wie Thomas Hermanns den Marsch, in 20 Berliner Kinos läuft vor dem Hauptfilm ein Spot, der für die Teilnahme wirbt. Auch der Schauspieler und Aktivist Stephen Fry unterstützt die Berliner.

Doch auch wenn mehrere tausend Menschen für die Menschenrechte von Lesben und Schwulen auf die Straße gehen: Eines soll die Demonstration nicht werden: Ein zweiter CSD. Laidig erklärt: „Es geht um die Botschaft, deshalb verzichten wir fast auf Musik, aber wir wünschen uns viele Regenbogenflaggen“ Ein Wunsch, der morgen Mittag ziemlich sicher in Erfüllung gehen wird.

Links zum Thema