TV-Tipp: ‚Nichts mehr wie vorher‘ – schwule Söhne und Lynchjustiz

Ein atemberaubendes Drama rund um Lynchjustiz und dem erzwungenen Coming Out eines Teenagers gibt es heute mit „Nichts mehr wie vorher“ um 20:15 Uhr in Sat.1. Als Mutter überzeugt Anette Frier in einer ernsten Rolle, abseits von ihrem Seriencharakter Danny Lowinski.

Die Geschichte spielt im fiktiven Städtchen Halden am Rhein. Mit der Idylle ist es bald vorbei: Ein toter Elfjähriger wird im Wald gefunden – vergewaltigt und mit einem Stein erschlagen.

Ins Visier der Polizei gerät bald der 16-jährige Daniel Gudermann, eindringlich gespielt von Jonas Nay. Er hat kein Alibi, rennt weg, macht falsche Aussagen und hat feuchte Erde an seiner Hose und den Schuhen. Im Zuge der Ermittlungen erfahren die Eltern das, was der Sohn dem strengen Vater nicht sagen wollte: Daniel ist schwul.

Durch einen Fehler der überforderten Polizeichefin, die einen schnellen Fahndungserfolg braucht, wird aus dem Verdächtigen, der in Untersuchungshaft sitzt, in der Öffentlichkeit bald der Schuldige. Die Eltern spüren den Hass des Mobs: Sie werden beschimpft, ihr Sohn als Kinderschänder gebrandmarkt. Vor der Garage der Familie baumelt auf einmal eine lebensgroße Puppe, im Internet kursieren Handy-Fotos und Kommentare von Mitschülern. Das Schicksal von Daniel wird zur Zerreissprobe für die Familie.

Durch die hervorragende Besetzung und die spannende Inszenierung wird aus einem Krimi ein Drama um Justizirrtümer und Vorverurteilungen – das Sittenbild einer Gesellschaft, in der über allen Schwulen noch das Stigma des Triebtäters hängt.