Belgrad verbietet Pride, Protestdemo wird darauf zur Parade

Heute, Samstag, sollte in der serbischen Hauptstadt die Belgrade Pride stattfinden. Doch nachdem der Staat diese gestern erneut aus Sicherheitsgründen verboten hatte, gingen Lesben und Schwule wenige Stunden später auf die Straße, um gegen diese Entscheidung zu demonstrieren – und für ihr Recht auf Versammlungsfreiheit. Die Polizei dürfte diesen Marsch zumindest geduldet haben.

Offiziell: Sicherheitsbedenken

Die erste Belgrad Pride fand 2010 statt – und endete im Chaos: Es gab heftige Krawalle durch Nationalisten, Rechtsextreme und Klerikale. Deshalb wurde die Parade durch die Straßen Belgrads 2011 und 2012 verboten: Die Behörden konnten oder wollten die Sicherheit der Teilnehmer nicht garantieren.

Ähnlich war es auch dieses Jahr: Die Parade, die heute stattfinden sollte, wurde gestern verboten – ebenfalls aus Sicherheitsgründen. Doch das wollten sich die Lesben- und Schwulenaktivisten nicht bieten lassen. Mehr als 100 Teilnehmer demonstrierten noch am Abend gegen die Entscheidung. Organisiert haben sich die Demonstranten unter anderem über Facebook. Dort haben sogar 164 Personen ihr Erscheinen zugesagt.

Gegendemo auf Hauptverkehrsroute

Die Route dieser Demonstration war sogar länger als jene, die für heute geplant war. Denn die offizielle Parade wäre nur 920 Schritte lang gewesen, rund um einen Park in der Nähe des Regierungsgebäudes. Nun marschierten die Demonstranten auf einer der wichtigsten Verkehrsadern der Stadt vom Regierungsgebäude zum Parlament. Dabei skandierten sie Sprüche wie „Das ist Stolz, das ist Serbien“ oder „Lang lebe die Liebe“.

Trotz angekündigter Proteste rechtsradikaler Gruppen verlief die Demonstration friedlich. Unklar war, ob die Parade wirklich illegal war oder die Sicherheitskräfte sie zumindest duldeten. Denn nach dem Verbot marschierten zeitgleich Polizisten im Stadtzentrum von Belgrad auf – und konnten so die Lesben- und Schwulenaktivisten schützen.

Für Aktivisten „erster Schritt“

Für die serbischen Lesben- und Schwulenaktivisten hat die Parade damit stattgefunden. Für Maja Micic, Mitglied des Organisationskomitees, war die nächtliche Demonstration ein erster Schritt. In ein paar Jahren werde die Parade ohne Zwischenfälle durchgeführt werden könne und man müsse sich nicht länger verstecken, sagte sie dem Radio- und Fernsehsender B92.

Und die Regierung in Belgrad hat wohl einen kleinen Pluspunkt für die EU-Beitrittsverhandlungen gesammelt, die nächstes Jahr beginnen könnten.