67 Festnahmen nach Angriff auf schwullesbische Demo in St. Petersburg

In der russischen Stadt St. Petersburg sind am Samstag nach Angriffen bei einer legalen Kundgebung anlässlich des internationalen Coming-Out-Tags insgesamt 67 Menschen festgenommen worden. Dabei handelt es sich um Teilnehmer der Kundgebung und Gegendemonstranten.

200 Rechte und Orthodoxe attackierten 50 Demonstranten

Agenturberichten zufolge war die Kundgebung auf dem Marsfeld genehmigt. Dort ist für Proteste – ähnlich wie im Londoner Hyde Park – keine Genehmigung notwendig. Die rund 50 Teilnehmer der Kundgebung demonstrierten gegen das umstrittenen Verbot von „Homo-Propaganda“ in Russland und St. Petersburg. Sie schwenkten Regenbogenfahnen und hielten Schilder, auf denen Forderungen wie „Stopp der Schwulenfeindlichkeit in Russland“ stand.

Die etwa 200 Angreifer, unter ihnen Nationalisten und orthodoxe Christen, haben die Teilnehmer der Kundgebung umzingelt, mit Fäusten attackiert, beschimpft und Regenbogenfahnen zerrissen. Dabei beteten sie und sangen religiöse Lieder.

Die Polizei schritt zwar ein, um die Angreifer zu verhaften – nach Angaben der Aktivisten allerdings „viel zu spät“. „Die Homophoben störten die Aktion mit Unterstützung der Polizei“, ärgerte sich Natalia Tsymbalova, eine der Organisatorinnen. Die Veranstalter wollen nun rechtlich gegen die Polizei vorgehen.

Auch 23 Opfer festgenommen

Es gab insgesamt 67 Festnahmen. Auch 23 Teilnehmer der Kundgebung sollen in Polizeigewahrsam genommen worden sein. Ihnen wird vorgeworfen, Befehle der Beamten nicht befolgt oder sie beleidigt zu haben.

Das „Gesetz gegen Homosexuellen-Propaganda“ wurde im Juni von Präsident Wladimir Putin unterzeichnet. Es verbietet, über Homosexualität zu reden, wenn Minderjährige anwesend sein könnten und dient offiziell dem Kinderschutz. Allerdings dürfte das Gesetz ein Gefallen von Putin an die mächtige orthodoxe Kirche sein. Eine Mehrheit der Russen unterstützt das Gesetz.

International sorgt es allerdings für Verstimmungen. Es sei diskriminierend und schüre Hass gegen Lesben und Schwule, so Menschenrechts- und Homosexuellen-Organisationen.