Regenbogenprotest: Stinkefinger von feinen Damen

Eine positive Bilanz ziehen die Veranstalter des gestrigen Regenbogenprotests vor der Wiener Hofburg: Vielen Besuchern war die Präsenz der Menschenrechts-Aktivisten so unangenehm, dass sie die „Galanacht der Russischen Wirtschaft“ und den anschließend stattfindenden Moskauball lieber über den Hintereingang besuchten. Offenbar waren sie von den Veranstaltern vorgewarnt worden.

Insgesamt haben sich rund 150 Demonstranten vor dem Haupteingang der Hofburg versammelt, um gegen die Diskriminierung und Bestrafung von Lesben und Schwulen in Russland zu protestieren. Auch einige Greenpeace-Aktivisten nutzten die Gelegenheit, um auf die Situation von 30 inhaftierten Umweltschützern Aufmerksam zu machen.

Und auch bei jenen Ballbesuchern, Diplomaten und Wirtschaftsbossen, die trotz der Demonstration die Hofburg durch den Haupteingang betraten, war Unbehagen zu spüren. „Wir bekamen einige Stinkefinger von feinen Damen in Ballroben“, erzählt Organisator Gerd Picher von „To Russia With Love Austria“. Auch Politiker wie die FPÖ-Größen Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus huschten peinlich berührt an den Demonstranten vorbei.

Doch es gab auch eine positive Überraschung: „Eine Ballbesucherin hat eine Regenbogenfahne mit in die Hofburg genommen – sie ist die Heldin des Abends!“, freut sich Picher.

Die „Galanacht der Russischen Wirtschaft“ und der Moskauball zählen zu den wichtigsten Vernetzungstreffen zwischen österreichischen und russischen Politikern und Geschäftsleuten. Den Ehrenschutz haben neben dem russischen Botschafter auch Wirtschaftsminister Mitterlehner von der ÖVP und der Wiener Bürgermeister Michael Häupl übernommen, auch sonst liest sich die Liste des Ehrenschutzes wie ein Who is Who der heimischen Politiprominenz: Der designierte SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder ist dort genauso zu finden wie Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl.

Eine Stellungnahme der Veranstalter zur Situation von Lesben und Schwulen in Russland liegt übrigens nicht vor.