Reizgas-Angriff im beliebtesten Moskauer Schwulenclub

Bis jetzt hatten es Lesben und Schwule, die sich nicht öffentlich positionierten, in Russland noch verhältnismäßig leicht. Doch nun dringen Lesben- und Schwulenhasser immer tiefer in den Alltag der Betroffenen ein: Unbekannte setzten am Wochenende Reizgas im größten Schwulenclub Moskaus frei.

Es war Samstag Abend, der Club „Central Station“ war mit 500 Gästen sehr gut besucht. Plötzlich haben einige Gäste Schwierigkeiten zu atmen, ihre Augen tränen. Reizgas! Unbekannte hatten die Substanz innerhalb des voll besetzten Gebäudes ausgesetzt. Die Betreiber schalten sofort die Entlüftungsanlage ein, einige Gäste müssen trotzdem von der Rettung behandelt werden.

Und es ist nicht der erste Angriff auf den beliebten Club. Eine Woche zuvor hatten zwei Unbekannte vor dem „Central Station“ um sich geschossen – offenbar auch homophob motiviert. Verletzt wurde dabei niemand.

„Das ist die vierte Provokation gegen den Club von Unbekannten“, erklärt Betreiber Andrei Letschinski. Er vermutet auch diesmal Homo-Hasser hinter dem Reizgas-Anschlag. „Die wollten ihre extremistischen Ansichten gegen die LGBT-Community ausdrücken“, sagt er. Unterstützt werden sie dabei vermutlich vom Vermieter der Räumlichkeiten, der staatlichen russischen Bahngesellschaft. So soll der beliebte Moskauer Schwulenclub aus der Location geekelt werden.

Doch der Anschlag in Moskau war nicht der einzige Zwischenfall, den es am Wochenende in der russischen LGBT-Community gab. Das St. Petersburger Filmfestival „Side by Side“ erhielt zur Eröffnung am Donnerstag und vor einer Vorstellung am Samstag eine anonyme Bombendrohung.

Während die Polizei im Kinosaal nach dem Sprengkörper suchte, mussten mehr als 1.000 Menschen auf der Straße warten. Dort wurden sie homophob angepöbelt. Gefunden wurde kein Sprengkörper, die Polizei soll unterdessen einen Verdächtigen festgenommen haben.