Immer mehr Schwule verzichten auf das Kondom

Die Gesundheitsämter in den USA melden einen starken Anstieg jener schwulen Männer, die ungeschützten Sex haben. Das erschwere den Kampf gegen Aids – sei aber ein internationaler Trend.

Wie das US-„Center für Desease Control and Prevention“ berichtet, ist die Zahl jener Männer, die zugegeben haben, ungeschützten Analverkehr zu haben, zwischen 2005 und 2011 um fast 20 Prozent gestiegen. Unter Männern, die ihren aktuellen HIV-Status nicht kannten, hat sich diese Zahl einer aktuellen Umfrage zufolge sogar fast verdoppelt. Ähnliche Anstiege wurden auch in anderen Ländern wie Kanada, Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich oder Australien beobachtet. Das ist besonders bedenklich – denn „ungeschützter Analverkehr spielt in einer eigenen Liga, was das Risiko betrifft“, erklärt Thomas R. Frieden, der Direktor des Centers.

Auch beobachtet man in den USA einen Trend, den Frieden als „Sero-Sorting“ bezeichnet: HIV-negative Männer versuchen, ungeschützten Sex nur mit Männern zu haben, die ebenfalls negativ sind – oder von denen sie das glauben. Das ist aber ein großes Risiko: Ein Drittel der Männer, die an der Umfrage teilgenommen haben, hat im letzten Jahr keinen HIV-Test gemacht. Damit wird der Sex aber zum Glücksspiel.

Peter N. Halkitis von der New York University, der sich seit 20 Jahren mit dem Thema beschäftigt, sieht zwei Gründe im Ansteigen von ungeschütztem schwulen Sex in den USA: Einerseits ist die Ansteckungswahrscheinlichkeit sehr gering, wenn HIV-Positive jeden Tag ihre Medikamente nehmen. Allerdings kann der Sexpartner nicht nachprüfen, ob dies der Infizierte auch wirklich regelmäßig macht. Andererseits sind viele junge Männer durch die Wirtschaftskrise arbeitslos – „und wir sehen ein risikoreicheres Verhalten wenn Leute in ihrem Leben mehr Risiken haben“, so Halkitis.

In den USA gibt es jedes Jahr 50.000 neu entdeckte HIV-Infektionen. „Es ist so, wie das, was die Herzkönigin zu Alice im Wunderland gesagt hat: ‚Du musst schneller und schneller laufen, um am selben Fleck zu bleiben’“, so Frieden.