132 Paare in Rio – Größte schwul-lesbische Massenhochzeit der Welt in Brasilien

Es ist ein großer Schritt, den 132 schwule und lesbische Paare am Sonntag in Rio de Janeiro gewagt haben. Sie haben sich bei der größten legalen gleichgeschlechtlichen Massenhochzeit der Welt das Ja-Wort gegeben. Dabei hat der Gesetzgeber in Brasilien die Ehe gar nicht geöffnet – dafür das Höchstgericht.

Die Zeremonie fand im Auditorium der Beamtenakademie in Rio de Janeiro statt. Jedes der 132 Paare konnte bis zu 10 Familienmitglieder und Freunde mitnehmen. Vorgenommen wurden die Trauungen von Orto Claudius, dem Vorsitzenden des Beamtenverbandes im Bundesstaat Rio de Janeiro. Er sagte zu den Paaren, es sei zwar sehr einfach, gleiche Rechte in die Verfassung zu schreiben – „aber es ist viel schwieriger, sie auch im echten Leben durchzusetzen“.

„Ich habe schon daran gedacht, sie zu heiraten, seitdem ich sie kennengelernt habe“, strahlt die 38-jährige Viviane Soares Lessa de Faria an ihrem Hochzeitstag. Sie heiratete ihre 45-jährige Partnerin Joseli Cristina. Joselis Sohn Rafael war Trauzeuge. Der 21-jährige Guiseppe Laricchia, der seinen 26-jährigen Freund Flavio heiratete, forderte vor Journalisten die vollständige rechtliche Gleichstellung von hetero- und homosexuellen Menschen.

Möglich würde die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule in Brasilien durch ein Versäumnis des Parlaments. Bereits im Jahr 2011 hat der Oberste Gerichtshof beschlossen, dass die Ehe geöffnet werden solle. Doch der Gesetzgeber reagierte nicht. Daraufhin reichte es der Justiz: Im Mai erließ der Nationale Justizrat Brasiliens eine Anweisung, nach der Behörden gleichgeschlechtlichen Paaren den Trauschein nicht mehr verweigern dürfen. Homosexualität könne „kein Grund für diskriminierende Behandlung sein“, heißt es auf der Homepage des Justizrats. Der Justizrat wacht über die Unabhängigkeit der brasilianischen Justiz und wird vom Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs geleitet.