Deutscher Präsident Gauck boykottiert Putins Spiele in Sotschi

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck wird nicht an der Eröffnung der Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi teilnehmen. Wie der „Spiegel“ berichtet, sei die Absage „als Kritik an den Menschenrechtsverletzungen und der Drangsalierung der Opposition in Russland zu verstehen“. Dazu gehören auch einige Maßnahmen, die die Freiheit von Lesben und Schwulen in Russland einschränken.

Diese waren in den letzten Monaten verstärkt in den Fokus der westlichen Öffentlichkeit gerückt. So ist es Lesben und Schwulen verboten, offiziell ihre sexuelle Orientierung zu zeigen oder dafür zu „werben“, wenn Minderjährige es sehen könnten. Einige Aktivisten forderten gar einen Boykott der Spiele. Der noch amtierende Außenminister Guido Westerwelle hält diese Diskussion aber für falsch: „Das schadet dem berechtigten Anliegen des Minderheitenschutzes mehr, als es ihm nutzt“, erklärt er. Ähnlich äußerte sich auch Volker Beck von den Grünen. SPD-Bundestagsmitglied Johannes Kars hatte vorgeschlagen, „die Spiele kurzfristig nach Vancouver zu verlegen oder gar russische Athleten von den Spielen auszuschließen“. Barbara Höll von den Linken schlug „das Tragen von Regenbogenbuttons aller Sportlerinnen, ob homo- oder heterosexuell, bei der Eröffnungsveranstaltung“ vor.

Am Amtssitz des Bundespräsidenten ist man unterdessen bemüht, das Nichterscheinen Gaucks zu relativieren. Im ZDF betonte eine Sprecherin, Gauck wolle sein Nein nicht als Boykott verstanden wissen. Ihm sei „daran gelegen, dass seine Absage nicht als Geringschätzung der Athleten gedeutet werden kann“. Weiters wies man in Schloss Bellevue darauf hin, dass es keine feste Regel gebe, ob deutsche Bundespräsidenten zu Olympischen Spielen reisen: So war Gauck zwar in London bei den Sommerspielen, Horst Köhler aber nicht 2010 bei den Winterspielen in Vancouver.

Trotzdem fällt auf: Joachim Gauck scheint ein Problem mit den russischen Machthabern zu haben. So hat er dem Land seit seinem Amtsantritt im Frühling 2012 noch keinen offiziellen Besuch abgestattet. Und der Wunsch nach Distanz scheint gegenseitig zu sein: Ein für Juni 2012 geplantes Treffen mit Gauck ließ Präsident Wladimir Putin platzen, offiziell aus Termingründen.

Begrüßt wird die Entscheidung von Gauck, nicht nach Sotschi zu fahren, von der HOSI Wien. Generalsekretär Kurt Krickler fordert den österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer auf, dem Beispiel seines deutschen Kollegen zu folgen.