Indien will Homosexualität legalisieren – Datum unklar

Um Schadensbegrenzung nach einem Höchstgerichts-Urteil ist man in Indien bemüht. Am Mittwoch hatte der Oberste Gerichtshof des Landes erklärt, dass das aus Kolonialzeiten stammende Verbot von homosexuellen Handlungen verfassungsgemäß ist. Nun möchte die Politik handeln.

Im Jahr 2009 hatte das Gericht einer niedrigeren Instanz beschlossen, dass Paragraph 377 des indischen Strafrechts verfassungswidrig ist. Dieser stellte gleichgeschlechtliche Handlungen als „widernatürlich“ unter Strafe – bis zu zehn Jahre Haft waren möglich. Das Höchstgericht hat dieses Urteil nun aufgehoben, dadurch ist der umstrittene Paragraph aus der britischen Kolonialzeit wieder in Kraft. Die Richter machten klar, dass die Legalisierung von Homosexualität in Indien Sache der Politik sei.

Und die scheint sich nach einem großen internationalen Aufschrei nun – schneller als gedacht – dem Thema anzunehmen. So erklärte Sonia Gandhi, Vorsitzende der regierenden Kongresspartei, sie hoffe, „das Parlament wird die Frage aufgreifen und die verfassungsrechtliche Garantie auf Leben und Freiheit für alle Inder umsetzen, inklusive der Menschen, die direkt von dem Urteil betroffen sind“.

Auch Finanzminister Palaniappan Chidambaram kritisiert die Entscheidung der Richter, die Indien „ins Jahr 1860 zurückwirft“, als Paragraf 377 von den britischen Kolonialherren eingeführt wurde. Justizminister Kapil Sisal gab zu: „Wir müssen schnell handeln.“ Er setze sich für die Entkriminalisierung von Homosexualität ein.

Wie schnell das allerdings passieren wird, steht in den Sternen. Indien, die größte Demokratie der Welt, wählt im Mai. Das Unterhaus hat sich bereits jetzt durch Streitereien selbst lahmgelegt, und das Thema ist im konservativen Indien sicher keines, mit dem man auf Stimmenfang geht.

Dabei spricht sich mittlerweile auch die römisch-katholische Kirche in Indien gegen die Kriminalisierung von Homosexualität aus. Der Vorsitzende der indischen Bischofskonferenz, Kardinal Oswald Gracias, betonte, seine Kirche habe „homosexuelle Menschen nie als Kriminelle angesehen“. Christen seien gegen „ungerechtfertigte Diskriminierung“ und man hätten „vollen Respekt vor Homosexuellen“. Gegen eine Gleichstellung im Eherecht stellte sich der Kardinal trotzdem.