Michael Adam: „Ich hab’s verbockt“

Offenes Interview im "Zeit"-Magazin

Michael Adam
Michael Adam/SPD

In einem erstaunlich offenen Interview mit dem „Zeit“-Magazin spricht der offen schwule bayerische Landrat Michael Adam über seine Sex-Affären: Er hatte insgesamt sechs Mal ein Date in seinen Amtsräumen, dabei hat er auch Poppers verwendet. Dienstrechtliche Vorschriften hat er dabei nicht verletzt, betont er.

„Meine Stimmung schwankt seit Wochen zwischen Extremen“

„Meine Stimmung schwankt seit Wochen zwischen Extremen“, so Adam. „Das pendelt von: ‚Oh Gott, du bist gar nicht tragbar‘ zu: ‚Hey, wegen der Verwandtenaffäre der CSU ist auch kein Mensch zurückgetreten‘“. Was allerdings nicht ganz stimmt: Im Mai hat der ehemalige CSU-Klubobmann im bayerischen Landtag Georg Schmid seine Karriere beendet, weil er gut dotierte Posten mit Verwandten besetzt hatte.

Doch Adam gibt offen zu: „Verbockt hat man’s ja grundsätzlich mal selber.“ Sein Fehlverhalten sei aber kein Einzelfall, betont er: „Aber Sie werden nicht einen Kommunalpolitiker finden, der keinen Dreck am Stecken hat.“ Interessanter sei seiner Meinung nach, welche Rolle seine Homosexualität bei der Berichterstattung über die Affäre gespielt hat. „Meine Frage ist: Welche Mechanismen haben gewirkt, dass die Geschichte so groß aufgezogen wurde? Das war ja eine Hexenjagd! Da fehlten als Reizwörter bloß noch Kindesmissbrauch und HIV“, gibt er zu bedenken.

„Die öffentlichen Auftritte berauschen einen“, gibt Michael Adam zu

Adam, der in einer Eingetragenen Partnerschaft lebt, versucht sein Verhalten im „Zeit“-Magazin zu rechtfertigen. „Es ist halt immer der Druck da: Der ist so jung, der muss jetzt richtig Gas geben. Ich war praktisch immer im Dienst. Die Differenzierung zwischen Berufs- und Privatleben hat es so nicht gegeben“, so der 28-Jährige.

Als Konsequenz hat der Landrat von Regen seine drei Facebook-Seiten gelöscht. Die 17.000 Fans fehlen ihm. „Ich bin auch deshalb Politiker geworden, weil ich narzisstisch bin. Mir gefällt die Aufmerksamkeit der Leute. Die öffentlichen Auftritte berauschen einen. Jeder Politiker, der das abstreitet, lügt“, gibt er zu.