Hamburger CDU-Klubchef Dietrich Wersich outet sich

Es war kein Geheimnis, doch nun ist es offiziell: Dietrich Wersich, CDU-Klubobmann in der Hamburger Bürgerschaft, hat sich in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ zum ersten Mal zu seiner Homosexualität geäußert.

Auf die Frage, worauf er sich im kommenden Jahr besonders freuen würde, antwortete Wersich: „Vielleicht auf meinen 50. Geburtstag im April. Aber jetzt erst einmal auf die Vorweihnachtswoche, die ich schon seit vielen Jahren mit meinem Partner in den Schweizer Bergen verbringe, bevor wir mit unserer Familie Weihnachten feiern.“

Dass Wersich schwul ist, war innerhalb der politischen Szene der Hansestadt ein offenes Geheimnis. In der Vergangenheit hat er sich auch öfter für schwul-lesbische Anliegen Position bezogen, etwa mit einem Grußwort für die Lesben und Schwulen in der Union (LSU) bei einem Treffen in Hamburg.

Öffentlich gemacht hat er seine sexuelle Orientierung aber bis jetzt nicht. Sein Warten begründete er damit, dass er als Politiker nicht ausschließlich auf seine Homosexualität reduziert werden wollte. Er habe befürchtet. „dass ich dann nur noch der schwule Politiker bin und nicht mehr der Politiker, der Idee A, B oder C verfolgt. Ich wollte nicht mit dem Etikett ‚das ist der Schwule der CDU‘ leben“, so Wersich zur „Welt“.

Dietrich Wersich ist seit seiner Jugend CDU-Mitglied. Seit 2000 sitzt er im Landestorstand. 2004 wurde der Arzt Staatsrat im Hamburger Senat, vier Jahre später Gesundheits- und Sozialsenator. Nachdem die CDU die Wahl 2011 verloren hatte, wurde er Klubobmann und kulturpolitischer Sprecher.

Späte Coming-Outs von hochrangigen Funktionären haben in der Hamburger CDU schon fast Tradition: So hat sich auch der frühere Erste Bürgermeister Ole von Beust erst 2003, zwei Jahre nach seinem Amtsantritt, öffentlich geoutet. Allerdings war dieses Coming Out nicht ganz freiwillig, da der damalige Innensenator Ronald Schill von Beust damit erpressen wollte.