Streit um Straßen-Umbenennung in Berlin

Dass eine Straße im bekanntesten schwulen Kiez Berlins nach einem homophoben Kriegstreiber benannt ist, störte engagierte Bürger und Bezirkspolitiker schon lange. Die Umbenennung zugunsten eines der ersten Schwulenaktivisten der Welt dürfte sich aber noch etwas hinziehen.

Direkt vom U-Bahnhof Nollendorfplatz geht die Einemstraße weg. Benannt ist sie nach Karl von Einem, preussischem Kriegsminister von 1903 bis 1909. Während dieser Zeit forderte er unter anderem die Vernichtung von homosexuellen Männern. Heute sollte die Straße auf ihrer gesamten Länge umbenannt werden – in Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße. Ulrichs, der von 1825 bis 1895 lebte, gilt als erster Vorkämpfer für die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen. Er forderte bereits 1867 auf dem deutschen Juristentag die Abschaffung antihomosexueller Gesetze. Die Bezirksparlamente der betroffenen Berliner Bezirke Mitte und Tempelhof-Schöneberg haben die Umbenennung schon beschlossen.

Doch im Bezirk Mitte gebe es Widerstand gegen die Umbenennung, berichtet der „Tagesspiegel“. „Es sind 14 Widersprüche eingegangen“, so Harald Büttner, Leiter des Tiefbauamts des Bezirks. Diese müssten zunächst abgearbeitet werden, was zu einer Verzögerung bei der Umbenennung führe. Unter anderem haben sich Bürger beschwert, dass die Straße wieder nach einem Mann benannt werden soll. Eigentlich sollten Neubenennungen in Berlin-Mitte aus Gründen der Geschlechtergerechtigkeit Frauennamen bevorzugen. Auch ärgern sich Bürger, dass sie nicht genügend in den Namensfindungsprozess einbezogen wurden.

Die Umbenennung in Tempelhof-Schöneberg betreffen diese Einsprüche aber nicht. Und so möchte der Bezirk am Zeitplan festhalten. Das führt dazu, dass es ab heute die Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße gibt – aber nur bis zu Hausnummer 12. Ab Hausnummer 13 fängt Berlin-Mitte an – und dort heißt die Straße vorerst weiterhin „Einemstraße“.