Unterstützt Promi-Dirigent Valery Gergiev Putins Anti-Homo-Gesetz?

Schwere Vorwürfe erhebt die Münchner Rosa Liste, die in der Stadt mitregierende schwul-lesbische Wählerinitiative, gegen Valery Gergiev, den künftigen Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker. Dieser verleugne die „aktuelle Hass- und Verfolgungspolitik der Putin-Regierung gegenüber Lesben, Schwulen und Transgendern“, heißt es in einer Aussendung.

Gemeinsam mit der Sopranistin Anna Netrebko gilt Gergiev als einer der wichtigsten musikalischen Botschafter Russlands. Die Proteste gegen ihn begannen, als er in New York auftrat. Die Aktivisten störten sich an der Nähe Gergievs zu Präsident Wladimir Putin. So ist der Dirigent in einem TV-Wahlkampfspot für den Präsidenten aufgetreten, dieser bedankte sich mit einer Auszeichnung als „Held der Arbeit“.

Im November hat der britische Schwulenrechtsaktivist Peter Tatchell deshalb ein Konzert von Gergiev mit dem London Symphonic Orchestra, das er derzeit leitet, gestört. Tatchell erklärte dem Publikum, der Dirigent „verteidigt das neue homophobe Gesetz das schwule und lesbische Russen verfolgt.“

Dem widersprach Gergiev auf Facebook. Er stellte klar, „dass ich niemanden diskriminiere, weder Schwule noch sonst irgendjemanden und das auch nie getan habe.“ Es sei falsch, zu sagen, er habe jemals eine Gesetzgebung unterstützt, die sich gegen Homosexuelle wende. „In meiner Arbeit habe ich stets gleiche Rechte für alle Menschen hochgehalten“, betont der Künstler. Das gelte auch für seine Zeit am Marinsky-Theater in St. Petersburg.

Allerdings hatte Gergiev Aktivisten zufolge am 10. September in der niederländischen Zeitung „Volkskrant“ gesagt: „In Russland machen wir alles, was wir können, um Kinder vor Pädophilen zu schützen. Bei diesem Gesetz geht es nicht um Homosexualität. Es zielt auf Pädophile. Aber ich war zu beschäftigt, um mich im Detail damit zu beschäftigen.“ Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk hat der „Volkskrant“ die Echtheit der Zitate noch einmal bestätigt – Gergiev habe das Interview auch autorisiert, so die niederländische Zeitung.

Rita Braaz, Spitzenkandidatin der Rosa Liste, forderte, Gergiev müsse „die hässlichen Töne“ gegenüber Lesben und Schwulen „jetzt klar und glaubhaft revidieren, will er sich nicht bereits im Vorfeld seiner Tätigkeit für die Landeshauptstadt München als Fehlbesetzung outen“. Und auch die Stadt München, die den Dirigenten bestellt hat, macht klar, dass „jede Ausgrenzung, Benachteiligung oder Belästigung von Menschen aufgrund Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe, Religion, Behinderung oder sexueller Identität“ unterbleiben müsse. „Verhaltensweisen, die diesen Grundsätzen widersprechen, werden nicht toleriert.“