Barbara Hendricks: Das dezente Outing der Umweltministerin

Lokalzeitung berichtet: "Feiert Silvester mit Lebenspartnerin"

Barbara Hendricks
BMUB/Susie Knoll

Deutschland hat seine erste offen lesbische Bundesministerin: In einem Interview mit der „Rheinischen Post“ hat die neue Umweltministerin Barbara Hendricks erstmals in einem Nebensatz ihre Homosexualität öffentlich bestätigt. Innerhalb der SPD war das schon seit Jahren ein offenes Geheimnis.

Ein Nebensatz in der Lokalzeitung outet die Umweltministerin offiziell

Zum Jahreswechsel brachte die Tageszeitung ein Portrait über die neue Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Sie sei „die einzige Ministerin aus dem Kreis Kleve“, verkündete das Blatt stolz – und versteckte die eigentliche Sensation in einem Nebensatz: Hendricks werde „heute mit ihrer Lebenspartnerin auch das Silvesterfest in der deutschen Hauptstadt verbringen“. Nähere Informationen zur Frau an der Seite der 61-Jährigen gab es nicht.

Dieser Nebensatz war das erste Mal, dass die sexuelle Orientierung der neuen Umweltministerin öffentlich thematisiert wurde. Und er war kein Zufall: Die „Rheinische Post“ bestätigte mittlerweile, dass er mit Hendricks abgestimmt war.

Bis jetzt äußerte sich Barbara Hendricks nicht über ihr Privatleben

Auf ihrer eigenen Homepage gibt es keine Details über ihr Privatleben, und auch sonst wurde das Thema bis jetzt eher ausgespart. Dabei war es innerhalb der SPD ein offenes Geheimnis, dass Barbara Hendricks lesbisch ist. So tritt sie seit Jahren für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern ein und sprach sich im Wahlkampf gegen eine „Zwei-Klassen-Gleichstellung“ aus. Außerdem war sie in der letzten Legislaturperiode im Kuratorium der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Auch in Hendricks Heimatstadt Kleve sei es „seit langem bekannt“, dass die neue Ministerin mit einer Frau zusammenlebt.

Für die „tageszeitung“ (taz) zeigt Hendricks Outing einen „veränderten Umgang mit Homosexualität“: Dieser sei „entspannter geworden“. Dass das Outing so beiläufig passiert, gefällt der Zeitung: „Charmanter und unaufgeregter geht es kaum“, urteilt die „taz“.

In der Partei ist die ehemalige Gymnasialprofessorin gut verankert: Seit 19 Jahren ist sie für die SPD im deutschen Bundestag. Bis 2007 war sie Staatssekretärin im Finanzministerium, danach Schatzmeisterin der SPD. Weiters ist Hendricks Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken.