Unterstützt ÖFB einen homophoben Jugendtrainer?

Scharfe Kritik übt SOS Mitmensch am Fußball-U21-Teamchef Werner Gregoritsch. Es sei untragbar, dass für die Nachwuchsmannschaft ein Trainer arbeite, der für seine schwulenfeindlichen Aussagen bekannt sei, fordert SOS Mitmensch Gregoritsch indirekt zum Rücktritt auf. Der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) habe das Thema bis jetzt offenbar nicht ernst genug genommen, so die Menschenrechtsorganisation. Der ÖFB weist die Vorwürfe zurück.

SOS Mitmensch nahm das öffentliche Coming Out des deutschen Ex-Teamspielers Thomas Hitzlsperger zum Anlass, die österreichische Fußballerszene etwas genauer zu durchleuchten. Dabei stoßen die Aktivisten auf ein Interview, dass Werner Gregoritsch als Kapfenberg-Trainer am 12. Februar 2011 der „Kleinen Zeitung“ gegeben hatte.

Über schwule Fußballer sagte Gregoritsch damals: „Für mich selbst ist es etwas Unnatürliches. Aber ich akzeptiere diese Menschen, wenn sie es ohne Zwang machen. Mir selbst ist es nicht angenehm. Für einen Spieler wäre es sehr schwierig. Ich kann mir vorstellen, was in fremden Stadien passiert, wenn sich jemand outen würde.“

SOS Mitmensch ist sich nun sicher: „Schwule Spieler müssen unter einem homophoben Trainer Mobbying befürchten und wären ohne dessen Rückhalt darüber hinaus auch dem Mobbying durch Mitspieler oder Publikum schutzlos ausgeliefert.“ Alexander Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch, erklärt, es wäre die „ureigenste Aufgabe des ÖFB, das zu verhindern.“ Doch der Fußballbund sei davon, ein Vorbild in Sachen Diskriminierungsfreiheit zu sein, „noch weit entfernt“. Es müsse „endlich zu einer Selbstverständlichkeit werden, dass für den ÖFB und auch für die Liga-Vereine keine homophoben Trainer mehr arbeiten, erst recht nicht im Nachwuchsbereich“, so Pollak.

Der ÖFB weist die Kritik scharf zurück. In einer Aussendung lässt Präsident Leo Windtner ausrichten: „Der ÖFB als Verband und alle seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen seit Jahren für Toleranz, gegen jede Art von Diskriminierung und für Integration in allen Bereichen der Gesellschaft.“ Es habe „noch nie insbesondere auch im sportlichen Bereich Vorfälle der Diskriminierung oder des Mobbings gegeben“, so Windtner weiter. Er betonte, der ÖFB wolle auch weiterhin öffentlich gegen jede Form von „Rassismus, Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung auftreten“.

Dass er sich mit Homophobie aber trotzdem offenbar noch schwer tut, zeigt, dass sie in der ganzen Stellungnahme des ÖFB nie explizit erwähnt wird. Auch gibt es – anders als beim DFB – beim österreichischen Fußballbund keine speziellen Programme, Aktionen oder Schulungen zum Thema Homosexualität.