Erzbischof von Canterbury mahnt afrikanische Mitbrüder

Deutliche Worte an ihre afrikanischen Mitbrüder kommen von den anglikanischen Erzbischöfen von Canterbury und York. Vor einem Besuch in Afrika erinnerten sie ihre Kollegen daran, Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender mit der angemessenen Würde zu behandeln.

Der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, ist das religiöse Oberhaupt der anglikanischen Kirche. Der Brief war an die Vorsitzenden aller anglikanischen Landeskirchen weltweit adressiert. Doch an wen er adressiert war, ist klar: Welby erinnerte die Oberhirten an eine Absichtserklärung aus dem Jahr 2005, in dem sie sich zu pastoraler Unterstützung und Seelsorge von Homosexuellen verpflichteten. Kopien der Briefe haben die Präsidenten von Nigeria und Uganda erhalten, die ihre Strafen gegenüber homosexuellen Handlungen vor Kurzem verschärft hatten. Wenige Tage vor einem Afrika-Besuch macht der Erzbischof so seine Position klar.

Im Jahr 2005 war der Konflikt um offen schwule und lesbische Pfarrer in der Anglikanischen Weltkirche voll ausgebrochen. Hardliner drohten mit einer Kirchenspaltung. Eine Konferenz im nordirischen Dromantine sorgte für vorläufigen Frieden. Man einigte sich, Themen wie offen homosexuelle Priester und Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare auf Eis zu legen und die seelsorgerische Komponente gegenüber Lesben und Schwulen hervorzuheben.

Wörtlich heißt es in der Erklärung der Konferenz: „Wir wollen klarstellen, dass wir uns in unserer Diskussion und Einschätzung der moralischen Angemessenheit spezieller menschlicher Verhaltensweisen weiterhin uneingeschränkt verpflichten, homosexuellen Menschen pastorale Unterstützung und Seelsorge anzubieten.“ Schikanen gegenüber Lesben und Schwulen seien für die Anglikaner ein „Gräuel“, heißt es in der Erklärung: „Wir versichern, dass homosexuelle Menschen die Kinder Gottes sind, von ihm geliebt und geschätzt werden, und das Beste verdienen, was wir ihnen an pastoraler Seelsorge und Freundschaft geben können.“

Doch die Hardliner der Anglikaner in Afrika unterstützen jetzt die strengeren Gesetze gegen Lesben und Schwule. Darauf bezieht sich Welby: „In den letzten Tagen sind Fragen aufgekommen, wie sich die Church of England zu neuen Gesetzen in einigen Ländern verhält, die Menschen verurteilen, die sich zum gleichen Geschlecht angezogen fühlen“, schreibt er. Dann bezieht er sich auf die Erklärung von Dromantine und ergänzt: „Wir hoffen, dass die pastorale Seelsorge und Freundschaft, die in dieser Erklärung erwähnt wird, angenommen wird und im Namen unseres Herren Jesus Christus danach gehandelt wird“.

Der Brief bekommt weiteres Gewicht durch die Unterschrift des Erzbischofs von York, John Sentamu. Er wurde in Uganda geboren.