Darf Iraschko-Stolz doch die Fahne tragen?

Diskussion nach dem Verzicht von Benni Raich neu aufgeflammt

Daniela Iraschko-Stolz
Ailura/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

Ob das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) diese Chance nutzt? Nur wenige Tage vor Start der Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi muss sich das ÖOC nach einem neuen Fahnenträger umsehen. Benjamin Raich, der ursprünglich dafür vorgesehen war, wird erst später nach Russland reisen. Nun stehen die Chancen gut, dass mit Daniela Iraschko-Stolz eine offen lesbische Sportlerin die rot-weiß-rote Fahne zum Einzug der österreichischen Athleten hält.

Raich kommt nicht, Morgenstern kann nicht

Es war eine peinliche Nachricht für die Funktionäre des ÖOC: Nachdem Benni Raich nicht an der Super-Kombination teilnehmen darf, reist er nicht zur Eröffnung am 7. Februar nach Sotschi, sondern erst einige Tage später. Als Fahnenträger fällt er damit also aus. Wer ihm nachfolgen wird, möchte das ÖOC erst am Donnerstag bekanntgeben.

Medienberichten zufolge wäre der Skispringer Thomas Morgenstern die erste Wahl bei der Suche nach Ersatz gewesen. Doch nach seinem schweren Sturz möchte man ihm das lange Herumstehen nicht zumuten. Vor drei Wochen war Morgenstern am Kulm gestürzt und hatte dabei ein Schädel-Hirn-Trauma und eine Lungenquetschung erlitten.

Erstes Signal des ÖOC zu Menschenrechten in Russland?

Nun kommt wieder Daniela Iraschko-Stolz ins Spiel: Die Schispringerin ist offen lesbisch und lebt in einer Eingetragenen Partnerschaft. Ihre Nominierung wäre ein deutliches Zeichen des ÖOC gegen die homophobe Gesetzgebung in Russland. Ein Zeichen, das der ÖOC bis jetzt immer vermieden hat. So hat das Olympia-Komitee bis jetzt die Bitte nach einem Gespräch mit der Initiative „To Russia With Love“ ignoriert.

Noch letzten Montag hatte ÖOC-Präsident Karl Stoss ein solches Zeichen abgelehnt. Bei der Nominierungs-Pressekonferenz sagte Stoss: „Wir werden in Sotschi viele Zeichen setzen, aber nicht mit dem Fahnenträger, wir lassen uns da nicht instrumentalisieren“. Iraschko-Stolz sei bei der Auswahl nach einem Fahnenträger „auch ein Thema“ gewesen – „sie ist eine ganz großartige Sportlerin und hat ganz tolle Erfolge gefeiert, aber sie hat keine Olympiamedaille wie Raich“, so der ÖOC-Präsident letzte Woche.

Sportminister Klug für Iraschko-Stolz

Für Iraschko-Stolz wäre die Nominierung als Fahnenträgerin „eine große Ehre“, wie sie in einem Interview sagte. Auch Sportminister Gerald Klug von der SPÖ würde die verpartnerte Lesbe in dieser Rolle gefallen: „Die Art und Weise, wie sie mit ihrer Homosexualität umgeht, beeindruckt mich und macht sie zum Vorbild für viele“, sagte er gegenüber der Tageszeitung „Österreich“.