Adoptionen für Homo-Paare: Faymann unterstützt Rupprechter

Unterstützung für den Vorstoß von Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter, auch schwulen und lesbischen Paaren die Adoption zu ermöglichen, kommt von Bundeskanzler Werner Faymann.

Mit drei Worten unterstützte er beim Pressefoyer nach dem Ministerrat den Tiroler ÖVP-Minister: „Bin seiner Meinung“, so Faymann. In seiner eigenen Partei bemüht man sich unterdessen, die Diskussion abzudrehen. Rupprechter sei nicht der dafür zuständige Minister, heißt es aus der Volkspartei.

ÖVP tanzt weiter um den heißen Brei

Dieses „sensible“ Thema sei bei Familienministerin Sophie Karmasin „in guten Händen“, lässt Parteichef Michael Spindelegger ausrichten, und „eigentlich“ sei Justizminister Wolfgang Brandstetter „dafür zuständig“. Der parteifreie Jurist ließ allerdings bereits wissen, dass er nicht vorhabe, sich in den Streit der ÖVP einzumischen.

Doch auch die Familienministerin gibt sich nach ersten positiven Signalen zurückhaltender. Als zuständige Ministerin sehe sie keinen Anlass, sich mit Rupprechter in dieser Frage auszutauschen. Es sei ohnehin ein „eher theoretisches Thema“, weil bereits jetzt für ein Adoptivkind zehn mögliche Adoptiveltern gebe. Außerdem wäre für Lesben und Schwule schon jetzt die Stiefkind- oder Einzeladoption möglich. Warum dann ausgerechnet die letzte Lücke nicht geschlossen werden soll, verrät Karmasin nicht.

Karmasin: Pflegeeltern statt Adoption

Dafür hätten Lesben und Schwule bereits jetzt die Möglichkeit, sich als Pflegeeltern mit einem „wertvollen Beitrag“ zu betätigen. Eine Äußerung, die die Grünen als scheinheilig kritisieren. Auch Peter Traschkowitsch von der sozialdemokratischen Homosexuellenorganisation SoHo kritisiert die Aussagen von Karmasin. Was die Pflegeelternschaft betrifft, solle Karmasin „eher bei ihren ÖVP-Landeshauptleuten tätig werden“, so SoHo-Bundesvorsitzender Peter Traschkowitsch.

ÖVP-Parteichef Michael Spindelegger kündigt indes an, das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare im Rahmen eines parteiinternen „Entwicklungsprozesses“ diskutieren zu lassen – dessen Ende ungewiss ist, genau wie sein Beginn.

Auch ÖVP-Familiensprecher Georg Strasser bekennt, seine eigene Meinung zu diesem Thema sei „noch im Fluss“, er sei aber „auf Linie des Parteichefs“ – schließlich handle es sich um „ein sehr sensibles Thema“.„Ausgangspunkt für eine offene Debatte muss das Wohl der Kinder sein – ohne Vorurteile, ohne Diskriminierung, ohne Ausgrenzung“, so Strasser zum „Standard“.