Steeve Briois: Schwuler Generalsekretär wird erster Bürgermeister des Front National

Bei den Gemeinderatswahlen in Frankreich konnte Steeve Briois, Generalsekretär des rechtsextremen Front National, im ersten Wahlgang den Bürgermeistersessel in der kleinen Gemeinde Hénin-Beaumont bei Lille erringen. Damit ist die 26.000 Einwohner zählende Stadt die erste in Frankreich, die ein Mitglied des Front National direkt zum Bürgermeister gewählt hat. Und noch eine Besonderheit gibt es: Briois ist schwul. Geoutet hat er sich nicht ganz freiwillig.

Seit 1995 trat Steeve Briois bei der Gemeinderatswahl in Hénin-Beaumont regelmäßig als Kandidat an – allerdings ohne Erfolg. Der stieg, als die Wahl des sozialistischen Bürgermeisters Gérard Dalongeville im Jahr 2009 wegen Unregelmäßigkeiten annulliert worden war. Parteichefin Marine Le Pen erkor die Gegend bei den Wahlen zur Nationalversammlung zu ihrem Wahlkreis – auch, um zu testen, ob der Front National für breite Schichten bereits wählbar ist.

Der Test hat funktioniert: Die Botschaften der rechtsextremen Partei sind in der französischen Gesellschaft angekommen. Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien, die blamable Performance von Präsident François Hollande, die geringe Wahlbeteiligung – all das hat Steeve Briois auf dem Weg zum Bürgermeisteramt geholfen.

Steeve Briois hat eine klassische Parteikarriere hinter sich: Mit 16 Jahren wurde er Parteimitglied des Front National. Seit 2011 ist er ihr Generalsekretär. Ende letzten Jahres wurde er durch ein Buch geoutet. Der Versuch von Briois, das Buch verbieten zu lassen, scheiterte.

Sein Kommentar dazu: Er hätte es vorgezogen, wenn sein Privatleben privat geblieben wäre. Hätte er seine Homosexualität verstecken wollen, wäre er in die Großstadt Lille gezogen und nicht nach Hénin, so Briois.

Das führt eigentlich zu einem Glaubwürdigkeitsproblem. Der Front National ist gegen die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule. Er möchte das in Frankreich umstrittene Gesetz wieder aufheben. Dementsprechend ausweichend antwortet er auch auf die Frage, ob er als Bürgermeister von Hénin-Beaumont denn gleichgeschlechtliche Paare trauen würde: Er sei nicht dafür Homosexuelle auszugrenzen, aber für ihn sei die Ehe nach wie vor „ein Junge und ein Mädchen, die aus der Kirche kommen“.