Schwedischer Spitzen-Footballer Marcus Juhlin outet sich

Und wieder hat sich ein American-Football-Spieler geoutet: Marcus Juhlin, schwedischer Meister, hat in einem Interview mit dem schwedischen Schwulenmagazin „QX“ erstmals über seine Homosexualität gesprochen.

Ein besseres Leben als geouteter Schwuler

Die Initiative dazu kam von ihm selbst. Er hat das Magazin vor Weihnachten kontaktiert. „Helfen sie mir, aus dem Schrank zu kommen und in ein besseres und angenehmeres Leben ohne Grenzen zu treten“, schrieb der 22-Jährige in einer E-Mail an die Redaktion.

Vor zwei Jahren hat Marcus Juhlin sich bei seiner Mutter geoutet. Es war am Silvesterabend, als alle Freunde schon zu Hause waren, weckte er sie auf und sagte ihr, dass er auf Burschen steht. Sie schaute ihn nur an und sagte: „Und was machst du jetzt damit?“ Damit war das Thema in der Familie gegessen.

Leidenschaften: Turniertanz und American Football

Marcus Juhlin wuchs außerhalb der schwedischen Kleinstadt Karlstad auf. Er hat zwei Brüder und interessierte sich früh für American Football und Tanzen. „Ich tanze Jive und Swing. Und ich war wirklich ziemlich gut darin. Ich habe bei den nordischen Meisterschaften Bronze gewonnen“, erzählt er „QX“.

Doch noch besser spielt er American Football: Er hat damit begonnen, als er zwölf war. „Ich kann mir ein Leben ohne Football nicht vorstellen“, so Marcus Juhlin. Er spielt für die Carlstad Crusaders in der höchsten schwedischen Spielklasse und hat mit ihnen die Meisterschaft vier Jahre in Folge gewonnen.

Das macht ihn stolz. „Wenn wir dieses Jahr auch gewinnen, schreiben wir Geschichte. Kein anderes Team hat die schwedische Meisterschaft in fünf aufeinander folgenden Jahren gewonnen“, erklärt Juhlin. In der Mannschaft gibt es einen enormen Zusammenhalt. Seine besten Freunde spielen auch bei den Crusaders, und auch seine beiden Brüder sind in der Mannschaft.

„Mädchen sind langweilig“

Doch vor ein paar Jahren erkannte Marcus Juhlin, dass er Gefühle für das gleiche Geschlecht hatte. „Seit dem Gymnasium weiß ich, dass ich nicht wie alle anderen bin“, sagt er im „QX“-Interview. Die Freundin in der sechsten Klasse war eher Alibi, aber es machte ihm Spaß, mit seinen Freunden gemeinsam abzuhängen. Schon mit 12 Jahren wusste er: Mädchen sind langweilig – „und ich kann nicht mein ganzes Leben mit einem Mädchen verbringen“, sagt er und lacht.

Welche Auswirkungen sein öffentliches Outing für seine Football-Karriere hat, weiß Marcus Juhlin noch nicht: Bis jetzt wussten nur einige Teamkameraden, dass er schwul ist. Er ist auch Jugendtrainer der Carlstad Crusaders. „Ich weiß nicht, was die Eltern der Kinder, die ich trainiere, sagen werden“, ist er sich unsicher. Nun geht es darum, dass mit der Mannschaft auch seine zweite Familie den Sportler unterstützt. Die Spieler, die es schon wussten, haben keine Sekunde gezögert, ihn auf seinem Weg zu unterstützen.

Marcus Juhlin möchte ein Vorbild sein

Aber warum hat er sich mit einem Brief an ein Schwulenmagazin geoutet? „Ich glaube nicht, dass ich das mirzuliebe mache. Es geht auch darum, ein Vorbild für andere zu sein. Und so ein Vorbild habe ich selbst noch nicht – jemand, der schwul ist und Football spielt“, sagt er der schwedischen Tageszeitung „Expressen“.

Marcus Juhlin ist der zweite offen schwule American-Football-Profi. Im Februar hatte sich der US-Spieler Sam Michael geoutet. Er wird vermutlich in der kommenden Saison für die höchste US-Liga, die NFL, spielen.

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