Todesstrafe für Schwule: Brunei wartet ab

Eine Galgenfrist für homosexuelle Muslime gibt es im Sultanat Brunei: Die Scharia, die für gleichgeschlechtlichen Sex die Steinigung vorsieht, wird nun vorerst nicht eingeführt. Sehr lange dürfte die Galgenfrist aber nicht dauern.

Denn wahrscheinlich soll die Scharia in Anwesenheit von Sultan Hassanal Bolkiah eingeführt werden. Und der befindet sich auf Staatsbesuch in Singapur. An der offiziellen Zeremonie zur Einführung der Scharia am 30. April werde festgehalten, so ein Beamter gegenüber der „Brunei Times“.

Der Sultan gilt mit einem Privatvermögen von mehr als 20 Milliarden US-Dollar als einer der reichsten Menschen der Welt. Er ist in Personalunion Staatsoberhaupt, Premierminister, Verteidigungs- und Finanzminister sowie religiöses Oberhaupt des ölreichen Landes.

Bereits jetzt wird Homosexualität in Brunei mit zehn Jahren Haft geahndet. Diese Strafe würde auch weiter für Nicht-Muslime gelten, für die die Scharia nicht zur Anwendung kommen soll.

Brunei wäre der achte Staat, in dem gleichgeschlechtlicher Sex als Kapitalverbrechen behandelt wird. Die Vereinten Nationen verurteilen die Wiedereinführung der Todesstrafe scharf: Die staatliche Tötung von Menschen aufgrund von einvernehmlichem Sex verstoße gegen mehrere internationale Verträge, so die UNO.

Brunei hat seine Unabhängigkeit von Großbritannien erst 1984 erlangt. Der Islam wird dort strenger ausgelegt als im benachbarten Malaysia. So ist unter anderem auch der Verkauf von Alkohol verboten.