Internationale Presse zu Conchita Wurst: Von der ‚Königin Europas‘ zu ‚Rise Like a Penis‘

Auch international macht der Sieg vom Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest Schlagzeilen. Der „Spiegel“ schreibt – frei nach den „Sissi“-Filmen – vom „Schicksalsabend einer Kaiserin“, die finnische Zeitung „Ilta-Sanomat“ macht sie zur „Königin Europas“. Und der „Guardian“ dürfte beim Titel nicht ganz so gut aufgepasst haben.

„Conchita macht aus Song Contest ein Toleranz-Referendum“

In seiner Online-Ausgabe macht der „Spiegel“ klar, welche Bedeutung seiner Meinung mach der Sieg von Conchita Wurst hat: Es wäre alleine ihre Teilnahme, „die diesen ESC zu einem paneuropäischen Referendum darüber machte, was auf diesem Kontinent gesellschaftlich akzeptiert wird – und was nicht.“

Die ebenfalls in Hamburg erscheinende „Zeit“ schloss ihr Liveblog mit den Worten: „Europa wählt eine Symbolfigur der Toleranz. Der Weg dorthin war heute bisweilen unangenehm, aber das Ergebnis doch zumindest erfreulich“ und bemerkte: „Ein Bart ist einfach ein solides Branding. Das wusste schon Jesus.“

„Nächste Station: Weltherrschaft!“

Begeistert von Conchita Wurst auch die internationale Presse: „Was kommt als nächstes für Miss Sausage? So wie es aussieht, die Weltherrschaft“, schreibt das „Wall Street Journal“. Und der britische „Guardian“ titelt: „Österreichs Conchita gewinnt über die Vorurteile.“

Doch Autor Elan Ferguson kann sich eine Spitze nicht verkneifen: „Österreich hat es geschafft stilvoll zu gewinnen, mit der kein bisschen heterosexuellen bärtigen Drag-Queen Conchita Wurst, die einen Bond-Song mit dem Titel – wenn meine Notizen korrekt sind – ‚Rise like a Penis‘“, schreibt er.

Buzzfeed: Conchita Wurst als Religionsstifterin?

„Buzzfeed“, die Internet-Seite mit einer Vorliebe für sinnvolle und sinnlose Best-of-Liste, kennt „24 Wege, wie Conchita Wurst jedes Herz beim Song Contest gestohlen hat“, gespickt mit jeder Menge GIF-Animationen. Punkt Nummer 16: „Bald werden Religionen in ihrem Namen gestartet.“

Begeistert von Conchita Wurst ist man auch in Italien: „Hohe Absätze, Schmetterling-Wimpern und dichter Bart: Mit Conchita Wurst erobert Österreich zum ersten Mal seit 1966 den Eurovision Song Contest.“, lobt die Tageszeitung „La Repubblica“ ihren Auftritt. Ihr Sieg sei „ein Sieg im Europa der Toleranz und des Respekts“.

„Sieg ist eine Ohrfeige für alle Homophoben“

Auch das Veranstalterland ist dem Charme von Conchita Wurst erlegen: „Österreich lieferte einen Höhepunkt ‚second to none‘. Wer kann Tränen, Diva-Kleidern und einem Bart widerstehen – und Wursts Botschaft, dass der Sieg allen gehört, die sich ‚Frieden und Freiheit‘ wünschen?“, schreibt beispielsweise „Berlingske Tidende“.

Die finnische Zeitung „Ilta-Sanomat“ macht Conchita Wurst kurzerhand zur „Königin Europas“, die norwegische „Aftenposten“ bezeichnet ihren Sieg als „Ohrfeige für alle Homophoben in Europa“. Der Redakteur des „Svenska Dagbladet“ gibt anerkennend zu: „Ich glaube, ich habe noch nie einen vergleichbaren Applaus in der Geschichte des Song Contests gehört.“

Die „Bild“-Zeitung versuchte sich hingegen wieder in Wortspielen. Ihre Überschrift zum begeisterten Empfang, den Conchita Wurst am Flughafen Wien-Schwechat bekam: „Die Wiener feiern ihr Würstchen“.