US-Behörde empfiehlt Medikamente gegen HIV-Infektion

Truvada
Lukas Braun - CC BY-NC-SA 4.0

Die nationale US-Gesundheitsbehörde „Centers for Disease Control and Prevention“ (CDC) empfiehlt HIV-Risikogruppen, das Medikament Truvada bereits vor einer Infektion täglich einzunehmen. Das soll vor einer HIV-Infektion schützen. Kritiker warnen, dass nun viele schwule Männer mit wechselnden Partnern ganz auf Kondome verzichten könnten.

So sollen unter anderem Schwule, die ungeschützten Sex praktizieren, Drogenabhängige oder Menschen mit einem HIV-positiven Partner diese Präexpositionsprophylaxe (PrEP) praktizieren. Dazu müssen sie – wie ein HIV-Positiver – jeden Tag die Arznei mit den Wirkstoffen Emtricitabin und Tenofovir einnehmen. Die Kosten von rund 9.500 Euro im Jahr übernehmen nach Angaben amerikanischer Medien viele US-Krankenversicherungen. Die „New York Times“ schätzt, dass dies 500.000 Menschen in den USA betreffen könnte.

„Risiko für HIV-Infektion sinkt um 92 Prozent“

„In mehreren Studien zur PrEP war das Risiko einer HIV-Infektion für Teilnehmer, die das Medikament konsequent einnahmen, um bis zu 92 Prozent niedriger als für diejenigen, die keine Medikamente erhielten“, berichtet die US-Behörde. Allerdings habe die PrEP nicht annähernd so gut funktioniert, wenn die Arzneien nicht täglich eingenommen wurden.

Auch deshalb ist der Schutz vor HIV mit dem Medikament nicht ganz unumstritten: Zwar wird die Ansteckungsgefahr erheblich minimiert, trotzdem gibt es noch ein Restrisiko, warnen Mediziner. Einerseits müsse das Medikament täglich genommen werden, und andererseits gebe es auch dann noch eine Wahrscheinlichkeit, sich trotzdem zu infizieren.

Weniger HIV, mehr Syphilis und Tripper?

Und auch, wenn die CDC davor warnt, auf Kondome zu verzichten: Jahrelange Safer-Sex-Aufklärungsarbeit könnte so zunichte gemacht werden, fürchten Gegner der PrEP. Sie warnen: Die Bereitschaft, Kondome zu verwenden, würde trotz der Behördenempfehlung noch weiter sinken.

Denn wenn die Bereitschaft zu Safer Sex abnimmt, könnten sich auch andere Geschlechtskrankheiten wie Syphilis oder Tripper noch stärker ausbreiten. Bereits jetzt sind schwule Männer davon überdurchschnittlich oft betroffen. Weiters befürchten Ärzte, dass HI-Viren gegen die Truvada-Wirkstoffe resistent werden könnten.