Nach sieben Jahren: Neue Ermittlungen im Fall Aeryn Gillern

Der US-Amerikaner Aeryn Gillern verschwand im Oktober 2007 aus der bekannten Wiener Herrensauna „Kaiserbründl“. Die Polizei ging davon aus, dass er im Donaukanal Selbstmord begangen hätte, nachdem er erfahren hätte, dass er HIV-positiv sei. Beweise dafür gibt es keine. Eine Leiche wurde aber nie gefunden – jetzt werden die Ermittlungen neu aufgenommen.

Denn Katy Killern, die Mutter des US-Amerikaners und eine ehemalige Polizistin, glaubte die offizielle Version der österreichischen Behörden nie und kämpfte ein Jahr nach seinem Verschwinden sogar in Wien um die Wahrheit. „Ich bekam heraus, dass mein Sohn bei einer früheren Polizeikontrolle geschlagen und beleidigt wurde. Und erst auf Druck der US-Regierung haben die Behörden überhaupt nach ihm gesucht!“, sagte sie damals der Tageszeitung „Heute“.

Die Polizei wies solche Vorwürfe bis jetzt stets zurück. „Unsere Leute machen keine Fehler“ erklärte Gerhard Haimeder von der Wiener Polizei in diesem Zusammenhang. Doch nun wird der Fall doch neu aufgerollt – von der Cold-Case-Einheit im Bundeskriminalamt. Das berichtet die Wiener Stadtzeitung „Falter“ in ihrer heute erscheinenden Ausgabe.

Denn zahlreiche Fragen blieben unbeantwortet: Warum rannte der ehemalige „Mr. Gay Austria“ vollkommen unerwartet und nur mit einem Handtuch bekleidet aus der Sauna? Warum gibt es keine Leiche oder keinen Abschiedsbrief von Aeryn Gillern? Kritiker werfen der Polizei bis heute Homophobie und schwere Ermittlungsfehler in der Suche nach dem Verschwinden des damaligen UN-Mitarbeiters vor.

Jetzt sollen diese Fragen beantwortet werden. Die Cold-Case-Einheit hat sich auf komplizierte und länger zurückliegende Fälle spezialisiert. Man wolle das Verschwinden des US-Amerikaners „neu und gründlich“ angehen, so die Beamten gegenüber der Wiener Stadtzeitung. Es gibt also neue Hoffnung, dass das Schicksal von Aeryn Gillern geklärt wird – und seine Mutter die Wahrheit, nach der sie so lange gesucht hat, erfährt.