Conchita Wurst: Schelte für Kanzlerin Merkel – und die Berliner Community

Nun hat Conchita Wurst auch Berlin erobert. Vom Berliner CSD-Verein wurde sie im Rahmen der „Stonewall Gala“ im Deutschen Theater mit dem „Soul of Stonewall Sonderpreis“ ausgezeichnet. Dabei sparte sie während ihres Aufenthaltes nicht mit Kritik an der Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Gegenüber dem ZDF-Nachrichtenportal „heute.de“ sagte sie über das Nein der Kanzlerin zur Öffnung der Adoption für Lesben und Schwule: „Natürlich darf man das sagen, aber meines Erachtens ist es Schwachsinn, nur weil man jetzt zwei Väter oder zwei Mütter hat, wird man weder ein besserer noch ein schlechterer Mensch.“. Die Diskussionen in dieser Frage dauern Conchita Wurst offenbar schon zu lange: „Ich will da eine Entscheidung und diese Entscheidung ist nicht schwer“, macht sie klar. Eigentlich verdiene die Frage, ob ein gleichgeschlechtliches Paar ein Kind adoptieren dürfe oder nicht, keine Antwort.

Über den „Soul of Stonewall Sonderpreis“ freut sich Conchita Wurst besonders: „Ein Preis für Zivilcourage, der aus der Community kommt, ist natürlich enorm wichtig für mich, weil das einfach die Bestätigung dafür ist, dass ich keinen Schwachsinn rede, und dass ich was Gutes mache und dass die Leute das auch so empfinden.“ Als Vorbild sehe sie sich nicht.

Kritik übte Conchita Wurst auch am derzeit in Berlin schwelenden Streit über die Deutungshoheit über Lesben- und Schwulenparaden. So gab es am Samstag in der deutschen Hauptstadt drei CSD-Paraden: Die offizielle, die aus urheberrechtlichen Gründen eigentlich gerne „Stonewall“ heißen würde, eine Gegendemo, die gerne politischer sein möchte, und ein alternativer nicht-kommerzieller CSD im Stadtteil Kreuzberg.

Conchita Wurst findet diesen Streit „unnötig und schwachsinnig“ – und kanzelte damit auch ihre Gastgeber ab, die den ersten CSD veranstalten. Für Außenstehende sei das Paraden-Chaos nicht mehr nachvollziehbar. Und vor allem: „Wir sind eine Community und sollten zusammenhalten und gemeinsam unsere Rechte einfordern, die uns zustehen“.