Unterstützt der neue ÖIAG-Chef russische Gesetze gegen ‚Homo-Propaganda‘?

Verständnis für das Verbot von „Homo-Propaganda“ in seiner neuen Heimat Russland zeigt Siegfried Wolf, einer der erfolgreichsten Manager Österreichs. Bedenklich: Wolf gilt als einer der Favoriten für den Posten als Aufsichtsratschef für die Staatsholding ÖIAG.

Derzeit arbeitet Siegfried Wolf für den russischen Oligarchen Oleg Deripaska, er führt auch regelmäßig „sehr persönliche“ Gespräche mit Präsident Wladimir Putin. Wie er dem „Standard“ in der Wochenend-Ausgabe verriet, unter anderem auch über das Thema „Wenn man net schwul ist, ist man net in“.

Dabei teilt Wolf die offizielle Position Moskaus, dass Homosexualität aus allen Bereichen verbannt werden soll, in denen Kinder und Jugendliche sein könnten. „Ich hätt das auch nicht gerne, muss ich offen sagen“, so Siegfried Wolf zum „Standard“.

Dass damit Lesben und Schwule praktisch aus der gesamten Öffentlichkeit verbannt werden, stört den gebürtigen Steirer nicht. „Es ist in Russland ja nicht verboten und es gibt kein Gesetz, wenn man andersartig veranlagt ist, dass man deswegen ausgeschlossen wird. Man darf nur in der Öffentlichkeit vor Minderjährigen seinen Neigungen nicht nachgehen“, verteidigt Wolf seinen Freund Wladimir Putin und dessen Gesetze.

Einer, der diese Aussagen „aufs Schärfste“ verurteilt, ist der Grüne Bundesrat Marco Schreuder. „Die Industrieholding der Republik Österreich darf sich keinen Manager leisten, der die Grund- und Menschenrechte von Lesben und Schwulen nicht ernst nimmt oder die Notwendigkeit von Aufklärung negiert. Was ist das für ein politisches Zeichen?“, so der Sprecher der Grünen Andersrum.

Schreuder kündigt eine parlamentarische Anfrage an, wie die ÖIAG künftig in ihrem Unternehmen Diversity-Maßnahmen verankern möchte. In zahlreichen internationalen Konzernen wie IBM oder Microsoft sind solche Maßnahmen, die Lesben, Schwulen und Transgender-Personen ein Outing im Arbeitskontext ermöglichen, schon Standard. Im Falle von Wolf und der ÖIAG gehe dabei „nicht nur um die Arbeitsbedingungen von LGBT-Personen, sondern um eine verantwortungsvolle Grundhaltung von Entscheidungträgern“, so der Bundesrat.