Istanbul Pride: Ein gewaltfreies Fest der Freude

Ohne Gewalt, dafür mit jeder Menge guter Stimmung, fand am Sonntag in Istanbul die elfte Lesben- und Schwulenparade statt. Die Zahl der Teilnehmer wird von Teilnehmern auf mehrere tausend geschätzt. Das Motto der Parade war dieses Jahr „Kontakt“. Und den nahmen die Teilnehmer mit den Passanten auf: Die Route begann am Taksim-Platz vor dem französischen Generalkonsulat und führte durch die Fußgängerzone am Galatasaray Lisesi. Die enge Straße war von Schwulen, Lesben, Transgender, Bisexuellen und ihren Freunden regelrecht überschwemmt.

Anders als ähnliche Demonstrationen, sowohl in Istanbul als auch in anderen europäischen Städten, gab es bei der Istanbul Pride keine Gewalt. Im Gegenteil: Die Stimmung war ausgelassen, die Teilnehmer friedlich, es gab keine Gegendemonstranten. Auch Polizisten lachten mit den Teilnehmern. Diese putzten sogar die Lampen der Wasserwerfer mit ihren bunten Puscheln.

Auch das Publikum war bunt: Von aufgetakelten Drag Queens bis zu Lederschwestern, von dezent verkleideten Burschen bis zu grell geschminkten Frauen – alles war beim Istanbul Pride dabei. Dabei skandierten sie Parolen wie „We are out, we are proud“, „Wir werden mit Liebe gewinnen“ oder sangen ganz einfach. Gemeinsam tauchten sie die bekannteste Einkaufsmeile Istanbuls in Regenbogenfarben.

Für den politischen Anspruch der Parade sorgten unter anderem eine Gruppe iranischer Lesben und Schwuler. Neben türkischen Transparenten gab es auch welche in Armenisch und Kurdisch. Vor dem russischen Konsulat gab es Pfiffe und Buhrufe. Aus Protest gegen die Gesetze gegen „Homo-Propaganda“ wurden auch Schilder am Eisengitter der Vertretung angebracht. Türkische Aktivisten forderten unter anderem, den Schutz vor Diskriminierung für sexuelle Orientierung und Geschlechteridentitäten in die Verfassung aufzunehmen.

Die Parade war ein sehr schönes Zeichen der Sichtbarkeit der türkischen LGBT-Gemeinschaft. Diese bemüht sich seit Jahren um mehr Sichtbarkeit. Vor allem in Istanbul hat sich eine lebendige Lesben- und Schwulenszene entwickelt.

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