[Video] Budapest Pride ging (fast) ohne Störungen über die Bühne

Ein großer Erfolg war der Umzug der 19. Budapest Pride, der diesen Samstag in der ungarischen Hauptstadt stattfand: Tausende Teilnehmer zogen durch das Stadtzentrum. Proteste und Ausschreitungen fanden meist in sicherer Entfernung statt.

Im Vorfeld haben Botschaften von 21 Ländern, darunter auch die von Österreich und Deutschland, in einer gemeinsamen Presseerklärung ihre Unterstützung für die Budapest Pride ausgedrückt. Ádám Mikóczki, Sprecher der rechtsextremen „Jobbik“ verurteilte dieses Engagement der internationalen Vertretungen und empörte sich, dass einige von ihnen „sogar Geld für diese Abweichungen ausgeben“.

Die Parade begann wie geplant gegen 15.00 Uhr am Kossuth tér und führte zum Budapester Stadtwäldchen. Nur wenig erinnerte an die Paraden des Jahres 2007 und der Folgejahre, in denen die Polizei ein kleines mutiges Häufchen von Schwulen- und Lesbenaktivisten vor dem rechten Mob schützen musste. Im Gegenteil: Die Budapest Pride war farbenfroh und sehr gut besucht. Für viele Aktivisten der Zivilgesellschaft gilt die Budapest Pride mittlerweile als Demonstration für eine demokratische und pluralistische Gesellschaft. Mehr als siebenhundert Firmen unterstützten das zehntägige Festival und seinen Höhepunkt, den Straßenumzug.

Ein Grund für den Zulauf dürfte auch ein Konflikt der ungarischen Regierung mit dem norwegischen Kohäsionsfonds sein, der die ungarische Zivilgesellschaft großzügig unterstützt. Die ungarische Regierung hat versucht, Kontrolle über den Fonds zu bekommen und einige Organisationen, die unterstützt werden, in einer „schwarzen Liste“ als „problematisch“ und „nicht unparteiisch“ abzustempeln. Dazu gehört auch der Veranstalter der Budapest Pride, der Verein „Szivárvány Misszió Alapítvány“.

Auch Politiker der Opposition reihten sich in den Marsch ein, so zum Beispiel Bernadett Szél, Co-Vorsitzende der grünen Partei LMP, Ildikó Lendvai, Vorsitzende der sozialdemokratischen MSZP oder Gábor Fodor, Vorsitzender der Liberalen.

Doch auch wenn man es innerhalb des Marsches kaum merkte: Die Route wurde von der Polizei massiv geschützt. Gegendemostranten durften ihre Versammlungen nur in sicherer Entfernung abhalten. So haben Nachfolgeorganisationen der verbotenen rechtsextremen „Ungarischen Garde“ vor Beginn der Veranstaltung in der Nähe des Kossuth tér gegen ihr Verbot demonstriert.

Auch die Jobbik-nahe Facebook-Gruppe „Im Namen der Familie“ hat eine Demonstration angemeldet und das „Recht auf Selbstverteidigung“ betont. Zwei Demonstranten wurden festgenommen.

Der einzige Vorfall direkt bei der Parade ereignete sich, als ein Gegner an der Oktogon-Straßenkreuzung zu den Demonstranten durchbrach und auf das Dach eines der Trucks kletterte.

Dieses Jahr dürften es die Gegendemonstranten auch nicht direkt auf die Parade, sondern die Abschlussveranstaltung abgesehen haben: So gab es dieses Jahr ein „Pride Picknick“ im Stadtwäldchen. Dort hielt auch die Grüne Europaabgeordnete Ulrike Lunacek eine Rede. In unmittelbarer Nähe haben zwei rechtsextreme Gruppen ihre Veranstaltungen angekündigt, die Veranstalter der Budapest Pride haben zur Vorsicht gemahnt. Doch auch von dieser Veranstaltung sind keine Zwischenfälle gemeldet worden.