[Video] Ian Thorpe outet sich im australischen Fernsehen

Ian Thorpe ist schwul. Das hat die australische Schwimm-Legende in einem Interview bestätigt, das am Sonntag in Australien ausgestrahlt wurde.

In dem Interview mit dem britischen Star-Journalisten Sir Michael Parkinson bestätigt Ian Thorpe, dass er schwul ist – auch, wenn er sich früher mit Frauen getroffen hat.

„Ich bin nicht hetero“, sagte er in dem Interview, das im australischen Fernsehsender „Ten“ ausgestrahlt wurde. Erst vor zwei Wochen habe er seinem engsten Umfeld seine sexuelle Orientierung offenbart, so Thorpe weiter. Bereits in der Schule, die nur für Buben war, habe er verneint, schwul zu sein. „Die Lüge wurde dann so groß, dass ich meine Integrität infrage gestellt sah“, erklärte Thorpe. Nun sei er so weit zu sagen: „Ich sage der Welt, dass ich schwul bin und ich hoffe, dass das die Dinge einfacher macht für andere.“

Thorpe erzählt in dem Interview auch ausführlich über seine Depression, an der er jahrelang gelitten hat – weil er seine sexuelle Orientierung vor der Welt verstecken wollte. Teile dieser Geschichte hat er schon in seiner 2012 erschienenen Autobiographie „This is Me“ erzählt – jetzt kommen auch die noch fehlenden Puzzleteile ans Tageslicht.

Parkinson vom Interview beeindruckt

Anerkennung für seine offenen Worte kommt von seinem Interview-Partner: „Ich glaube, seine Sexualität geht niemanden außer ihn etwas an. Aber ich glaube, es ist eines der besten Interviews, die ich jemals geführt habe, wenn man sich ansieht, wie er über seine Depression und solche Dinge geredet hat.

Die Gründe, warum Ian Thorpe seine Meinung geändert hat, sind nicht ganz klar. Allerdings lebt er nach einigen Jahren in den Vereinigten Arabischen Emiraten nun wieder in Sydney. Er war längere Zeit wegen Drogen- und Alkoholproblemen in einer Entzugsklinik, seine Eltern stehen ihrem Sohn bei und unterstützen ihn.

Thorpes Schlussfolgerung zu seinem versteckten Leben ist dementsprechend düster: „Niemand muss sich so fühlen, wie ich es lange getan habe. Man kann aufwachsen und sich wohlfühlen und schwul sein.“ Seine Homosexualität hätte nicht zu seinem Image als australischer Held gepasst, befürchtete Thorpe. „Ein Teil von mir hat nicht gewusst, ob Australien seinen Champion als schwul haben will“, sagte er Michael Parkinson.

Matthew Mitcham drückt die Daumen

Unterstützung für das Coming Out von Ian Thorpe kommt vom offen schwulen Turmspringer Matthew Mitcham: „Ich kann vollkommen verstehen, wie schwierig dieser ganze Prozess für ihn ist“, sagte er dem australischen „Daily Telegraph“. „Ich hoffe wirklich, diese Entwicklungen bringen ihm etwas Frieden und die Medien und die Öffentlichkeit geben ihm den gleichen Respekt und die gleiche überwältigende Unterstützung, die ich 2008 bekommen habe“. In diesem Jahr hat sich Mitcham als schwul geortet.

Lob für seine ehrlichen Worte hat Ian Thorpe auch von Jason Collins, dem ersten offen schwulen NBA-Spieler bekommen. „Cheers Ian Thorpe. Deine Geschichte wird anderen helfen und sie inspirieren“, twitterte Collins.

Ian Thorpe freuen diese Solidaritätsbekundungen: „An alle, die mir aufmunternde Worte geschickt haben; vielen Dank!“, twitterte der australische Schwimmstar zurück.

Nun kann Thorpe zu sich stehen

In der Vergangenheit hat Ian Thorpe seine Homosexualität noch geleugnet. In einem Interview im Jahr 2012 sagte er über entsprechende Gerüchte: „Ich akzeptiere, dass es nichts gibt, was ich tun oder sagen kann. Es wird immer Leute geben, die skeptisch sind: Leute, die wollen, dass ich schwul bin – und andere, die es versuchen und gegen mich verwenden wollen“, so der heute 31-Jährige.

Während seiner Karriere hat er neun Olympia-Medaillien gewonnen: Fünf mal Gold, drei Mal Silber, ein Mal Bronze. Weiters hat er elf Weltmeister-Titel für sich verbuchen können.

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