Community trauert um Barbara Prammer

Die Community trauert um Barbara Prammer. Die Nationalratspräsidentin ist am Samstag ihrem Krebsleiden erlegen. In der Innenpolitik galt die gebürtige Oberösterreicherin als starke Fürsprecherin für die Rechte von Lesben, Schwulen und Transgendern.

Trauer im Heimatbundesland Prammers bei der HOSI Linz

Rainer Bartel, Vorsitzender der HOSI Linz, betonte in einer Stellungnahme, die Community verliere „eine herausragende Persönlichkeit und Politikerin, eine unermüdliche Vorkämpferin für Gleichstellung, ein großes Vorbild in jeder Hinsicht und eine Freundin der HOSI Linz“.

Sein Vorgänger Gerhard Friedinger verweist unter anderem darauf, dass Barbara Prammer als nahezu ersten öffentlichen Auftritt als neue Landtagsabgeordnete das erste Österreichische Lesben- und Schwulenforum in Linz im Oktober 1991 eröffnet und auch sonst gern an Veranstaltungen der HOSI Linz teilgenommen hat. „Unvergesslich ist ihre konsequente Haltung unter anderem bei diversen von uns veranstalteten Podiumsdiskussionen oder ihre engagierte Rede zur Eröffnung des Queer Planet 1999 im Offenen Kulturhaus in Linz“, so Friedinger.

HOSI Wien tief betroffen

„Auch wir sind tief betroffen über den Tod von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer“, so Cécile Balbous, Obfrau der HOSI Wien, „denn mit ihr verliert die österreichische Lesben- und Schwulenbewegung und die LSBT-Community eine ihrer seit Jahrzehnten wichtigsten Verbündeten in der österreichischen Politik.“ Balbous hebt die Leistungen von Prammer bei der Strafrechtsreform, der rechtlichen Anerkennung homosexueller NS-Opfer im Opferfürsorgegesetz oder für die Eingetragene Partnerschaft hervor.

Christian Högl, Obmann der HOSI Wien, betont, dass Barbara Prammer auch immer wieder deutliche Zeichen gesetzt hat: „So übernahm sie regelmäßig den Ehrenschutz über wichtige Veranstaltungen der HOSI Wien und anderer LSBT-Organisationen, etwa 1998 über die Jahrestagung des europäischen Lesben- und Schwulenverbands ILGA-Europa in Linz, bei der sie eine vielbeachtete Rede hielt.“

„Zehn Jahre später, im Herbst 2008, übernahm sie – diesmal in ihrer Funktion als Nationalratspräsidentin – nicht nur den Ehrenschutz über die von der HOSI Wien ausgerichteten ILGA-Europa- und ILGA-Weltkonferenzen in Wien, sondern lud die Teilnehmer der Weltkonferenz auch zu einem Empfang ins Palais Epstein – eine echte Sensation, denn noch nie in der 30-jährigen Geschichte der ILGA war diese in ein nationales Parlament eingeladen worden. Im November 2009 wiederum lud Prammer zum Festakt ‚30 Jahre HOSI Wien‘ ins Hohe Haus am Ring. Und über den Regenbogenball, auf dem sie auch Stammgast war, hat sie ebenfalls regelmäßig den Ehrenschutz übernommen; 2011 hielt sie in der Hofburg die Eröffnungsrede“, erinnert Högl an die Verstorbene.

RKL erinnert an Festakt im Parlament

Trauer um Barbara Prammer gibt es auch beim Rechtskomitee Lambda (RKL), in dessen Kuratorium sie war. „Sie war auch eine der ersten in der SPÖ, die das Adoptionsverbot für gleichgeschlechtliche Paare öffentlich hinterfragte, und sich für unsere Anliegen generell sehr stark eingesetzt hat. Sei es bei der Abschaffung des § 209 StGB, beim Diskriminierungsschutz im Rahmen des Gleichbehandlungsgesetzes oder beim Partnerschaftsrecht – Barbara Prammer war immer eine zuverlässige Unterstützerin“, so RKL-Präsident Helmut Graupner.

Besonders dankbar ist das RKL ihr auch für den Festakt „15 Jahre RKL“ im Plenarsitzungssaal des Nationalrates im Oktober 2006. Bis heute ist diese Veranstaltung weltweit die einzige Ehrung einer LGBT-Organisation im Plenarsaal eines nationalen Parlaments, die es ohne Barbara Prammer nicht gegeben hätte.