Libanon: 27 Festnahmen in Hamam wegen schwulem Sex

Im Libanon sind 27 Männer verhaftet worden, weil sie in einem Hamam angeblich homosexuelle Handlungen vorgenommen haben sollen. Die Polizei stürmte das Badehaus nach einem Tipp, dass die Lokalität auch für schwulen Sex genutzt wird. Unter den Festgenommenen sind auch der Besitzer und mehrere Angestellte.

Die schwul-lesbische Gruppe „Helem“ und weitere Menschenrechtsorganisationen befürchten in einer gemeinsamen Erklärung, dass den Festgenommenen im Gefängnis Folter droht. So haben libanesische Behörden in der Vergangenheit die Homosexualität von Verdächtigen mit einem Anal-Test geprüft. Dabei wird ihnen ein eiförmiges Metallobjekt in den Enddarm eingeführt. Ärzte halten den Test für sinnlos. Offiziell hat die Polizei bekanntgegeben, die Untersuchungen an den Verhafteten nicht durchzuführen.

Doch die Tests sind nicht der einzige Kritikpunkt der Menschenrechtsorganisationen. Sie beklagen, dass die Festnahmen willkürlich geschehen seien. Während der Polizeirazzia und den Verhaftungen gab es keinen einzigen homosexuellen Sexualkontakt in dem Hamam. „Helem“ fordert deshalb die sofortige Freilassung der Verhafteten. „Wir verurteilen diesen Zwischenfall als homophobe Tat, die zum Ziel hat, die sexuellen Rechte und Freiheiten der Personen einzuschränken, und wir fordern die Staatsanwaltschaft und Polizei auf, die Würde der Gefangenen zu respektieren“, so die Gruppe.

Homosexualität ist im Libanon zwar nicht explizit verboten, „widernatürlicher Sex“ wird aber mit bis zu einem Jahr Haft bestraft. Die Männer in dem Hamam könnten außerdem auch wegen Unsittlichkeit in der Öffentlichkeit belangt werden.