ORF-Sommergespräche: Nachbaur glänzt durch Unwissenheit

Bei ihrem Auftritt in der ORF-Sendung „Sommergespräche“ nahm Team-Stronach-Parteichefin Kathrin Nachbaur auch zu den Rechten von Lesben und Schwulen Stellung – und glänzte größtenteils durch Unkenntnis.

Gegen ‚Conchita Wurst beim Bundeskanzler‘

So sprach sie sich prinzipiell für Rechtssicherheit von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und die Beseitigung von Ungleichheiten zwischen homo- und heterosexuellen Paaren aus. Sie sei aber gegen „einen Populismus wie den Staatsempfang der Conchita Wurst beim Bundeskanzler“ – denn für die Rechte von Lesben und Schwulen habe sich seitdem nichts getan.

Und hier irrt Kathrin Nachbaur zum ersten Mal: Denn Innen- und Justizministerium arbeiten gerade daran, die Unterschiede zwischen Eingetragener Partnerschaft und Ehe größtenteils zu beseitigen. Die Fachminister haben dazu auch mit Vertretern des Rechtskomitee Lambda (RKL) diskutiert. Im Herbst sollen diese Änderungen öffentlich präsentiert werden.

Und der Beweis ihrer Unkenntnis in der Sache geht weiter: Als Beispiel für Ungleichbehandlungen, die beseitigt werden müssten, nannte Kathrin Nachbaur das Erb- und Mietrecht. In genau diesen Bereichen sind Eingetragene Partner aber Ehepartnern bereits gleichgestellt.

Es gibt ’nicht genug Studien‘, um für Adoption zu sein

Keine Gleichstellung möchte Katrin Nachbaur übrigens, wenn es um die Adoption durch schwule und lesbische Paare geht. „Es gibt meines Wissens noch nicht genug wissenschaftliche Studien, weil man das einfach noch nicht lang genug beobachtet hat, die klar belegen, dass das für das Kind eine großartige Lösung ist. Wenn das so ist, (…) bin ich da offen“, so die Parteichefin des Team Stronach.

Doch auch diese Studien gibt es – zuletzt aus dem Jahr 2009 vom deutschen Bundesjustizministerium. Diese kam zum Schluss: Lesbische Mütter und schwule Väter stehen in ihrer elterlichen Kompetenz heterosexuellen Eltern um nichts nach. Alle Unterschiede im Erziehungsverhalten und Familienklima „fördern ausnahmslos das Wohle der Kinder“, so die Autoren der Studie.

Lesben und Schwule sind ‚mathematisch anormal‘

Weiters verteidigte Kathrin Nachbaur den Wissenschaftssprecher des Team Stronach, Marcus Franz. Der Arzt hatte im November 2013 Homosexualität als „genetische Anomalie“ bezeichnet. Diese Aussagen seien wissenschaftlich korrekt, so die Parteichefin. Denn Anomalien seien in der Mathematik eine Standardabweichung. „Und Standard ist in der Menschheit Mann und Frau, die Kinder produzieren – sonst wären wir ja schon längst ausgestorben“.