Gudenus-Aussagen über ‚Homo-Lobby‘ empören österreichische Innenpolitik

Kopfschütteln quer durch die Parteien gibt es über den Auftritt des stellvertretenden FPÖ-Chefs und Klubchefs der Freiheitlichen im Wiener Landtag, Johann Gudenus, bei einer Versammlung rechter Homo-Gegner in der Moskauer Erlöserkathedrale.

Die Grünen verurteilen die Anbiederung der Freiheitlichen an die erzreaktionären Kräfte in Moskau. „Sehr spät im Jahr ist der politische Aschermittwoch der FPÖ aus den österreichischen Bierzelten zu skurrilen Veranstaltungen in Moskau weiter gezogen. Den Russinnen und Russen bleibt auch nichts erspart“, meint Ulrike Lunacek, offen lesbische Vize-Präsidentin des Europäischen Parlaments in Brüssel: „Mit seinem Gesellschaftsbild aus der Zarenzeit und seiner Kalten-Krieg-Rhetorik beweist Gudenus, dass er und die Freiheitliche Partei auch international das sind, was sie auf österreichischer Ebene immer waren: Ewiggestrige“

Für die SPÖ ärgerte sich Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos darüber, dass „Gudenus‘ abfällige Äußerungen über Homosexuelle, zumindest vorläufig, der traurige Höhepunkt einer Serie von inakzeptablen Entgleisungen von Seiten der FPÖ“ seien. Darabos forderte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auf, sich von seinem Stellvertreter und Wiener Klubchef zu distanzieren.

Sogar Gernot Blümel, Generalsekretär der sonst nicht immer lesben- und schwulenfreundlichen ÖVP, macht klar: „Die Aussagen von Gudenus sind zum Fremdschämen!“ Mit ihren homosexuellenfeindlichen Aussagen stelle sich die FPÖ „erneut ins politische Abseits“, so Blümel.

Dass Gudenus in Moskau behauptet habe, es gebe eine „Homosexuellenlobby“, die Europa gefährde, bringe laut Blümel „das Fass zum Überlaufen“: „Dass das Gedankengut der Blauen das 21. Jahrhundert noch immer nicht erreicht hat, wurde wieder einmal peinlichst unter Beweis gestellt. Die Realitätsferne der FPÖ ist einfach nur traurig!“, so der ÖVP-Generalsekretär.

Bei der FPÖ selbst kann man die Aufregung um den Auftritt von Johann Gudenus, der teilweise auch im russischen Fernsehen übertragen wurde, nicht verstehen. „Hier wurden Aussagen vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen und entsprechend anders interpretiert“, so FPÖ-Generalseketär Harald Vilimsky unschuldig. Bei der Warnung vor der Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare gehe es „nicht um Homophobie sondern allein um das Wohl unserer Sprösslinge“.