Tschad möchte erstmals Homosexualität bestrafen

Der Tschad möchte erstmals in seine Geschichte Homosexualität kriminalisieren.

Während gleichgeschlechtliche Beziehungen im bisherigen, gut 50 Jahre alten Strafrecht nicht erwähnt wurden, wären sie nun erstmals strafbar. Das berichtet der französische Auslandssender RFI. Paragraph 361 bestraft homosexuelle Kontakte mit Strafen von umgerechnet bis zu 760 Euro oder bis zu 20 Jahren Gefängnis. Das Gesetz ist noch nicht in Kraft.

Dézoumbé Passalet Daniel, Präsident der Organisation „Menschenrechte ohne Grenzen“, erklärt die Einführung einer Strafe auf Homosexualität mit der tiefen Religiosität im Land. Von den fast elf Millionen Einwohnern sind mehr die Hälfte Muslime und mehr als ein Drittel Christen, vorwiegend Katholiken. Das Land sei für eine liberalere Gesetzgebung nicht reif, so der Bürgerrechtler weiter.

Auf den ersten Blick stimmt das vielleicht. Offiziell gehe es der Regierung darum, „die Familie zu schützen und mit der Gesellschaft des Tschad übereinzustimmen“.

Doch tatsächlich dürften populistische Motive die Regierung von Präsident Idriss Déby dazu gebracht haben, ein Verbot der Homosexualität ins Strafrecht aufzunehmen. Nach einer angeblichen Hochzeit zweier Männer in Abéché im Osten des Landes hat es eine regelrechte Hetzjagd auf Schwule gegeben. Vertreter von Islam und Christentum haben die Regierung dafür kritisiert, dass Homosexualität im Tschad nicht ausdrücklich verboten sei.

Doch in einem anderen Punkt bringt das neue Strafgesetzbuch des Tschad eine Verbesserung: Die Todesstrafe wurde abgeschafft. Dadurch hatte sich das Land durch internationale Abkommen verpflichtet, vollstreckt wurde das letzte Todesurteil im Tschad vor zehn Jahren.