„Töte Schwule“ auf der Wand der Rosa Lila Villa

Drohung auch auf serbisch - Zusammenhang mit Belgrade Pride?

Schmiererei auf der Rosa Lila Villa
premiumPIX

Die Rosa Lila Villa, Wiens ältestes Zentrum für Lesben und Schwule, wurde in der Nacht auf Heute von Unbekannten mit schwulenfeindlichen Graffiti beschmiert. Die Täter sind unbekannt. Mittlerweile wurden die Schmierereien bereits übermalt.

Halb Wien konnte die Drohung sehen

Viele Autofahrer, die heute über die Linke Wienzeile fuhren, waren wohl entsetzt. Auf den straßenseitigen Wänden der Rosa Lila Villa haben Unbekannte „Töte Schwule“, gefolgt von einem Fadenkreuz, gesprayt – auch auf serbisch/bosnisch/kroatisch, „Ubi Pedera“.

Das deutsche Portal „queer.de“ vermutet deshalb einen Zusammenhang mit der Belgrade Pride, die morgen stattfinden soll. Dieser wurde von der Wiener Polizei aber nicht bestätigt.

Dafür passierte auf der besprayten Wand etwas, das für die Villa wohl typisch ist: Es entfachte sich eine Diskussion. Ein weiterer Unbekannter klebte unter den Mordaufruf einen Zettel, der salopp auf die Folgen eines Mordes hinwies („Schatzi, denk’ mal über die Konsequenz von ’nem Mord nach…“) – worauf eine weitere Reaktion in Frage stellte, dass der Sprayer für rationale Argumente zugänglich wäre.

Schreuder: „Muss aufgeklärt werden“

Bundesrat Marco Schreuder, Vorsitzender der „Grünen Andersrum“, macht im Zusammenhang mit dem Graffiti auf der Wand der Villa gegenüber GGG.at klar: „Hassverbrechen sind auch dann nicht zu tolerieren, wenn sie nur angekündigt werden. Diese Morddrohung muss von der Exekutive aufgeklärt werden.“

Auch Markus Rumelhart, der erste offen schwule Bezirksvorsteher Wiens, ist wütend. „Zwar leben viele Schwule, Lesben und Transgender in Wien heute so frei wie nie, aber dennoch sind homo- und transfeindliche Parolen trauriger Alltag.“, so Rumelhart gegenüber GGG.at. Er ergänzt: „Diskriminierung, Homophobie, Transphobie, Intoleranz und Aufrufe zur Gewalt haben in unserer Stadt keinen Platz! Und schon gar nicht in Mariahilf, dass zu Recht als Regenbogenherz dieser Stadt bezeichnet wird und darauf stolz ist.“

Die Rosa Lila Villa entstand ab 1982 aus der Wiener Hausbesetzerszene. Nach Verhandlungen mit der Stadt Wien als Eigentümerin des Hauses wurde 1984 ein Vertrag geschlossen, der dem Verein „Rosa Lila Tip“ die „Instandbesetzung“ des Gebäudes erlaubte. Lesben-, Schwulen und Transgenderorganisationen haben hier ihren offiziellen Vereinssitz. Im Erdgeschoß befindet sich das Restaurant und Café „Willendorf“.

Villa lässt sich nicht einschüchtern

Ihre Wurzeln in der Hausbesetzerszene machen sich noch heute durch ihre teils radikalen Positionen zu „Zwangsheterosexualität, Patriarchat und binärer Identitätskonstruktion“ bemerkbar, die sie auch mit Transparenten deutlich machen.

Vor allem ist die Rosa Lila Villa durch ihre Größe und Lage das wohl sichtbarste Zeichen der LGBT-Szene in Wien. Das macht sie immer wieder zu Angriffspunkten – so auch mit dem jetzigen Sprayer-Anschlag. Doch die Aktivisten der Villa lassen sich dadurch nicht einschüchtern. „Wir lassen uns nicht einschüchtern!“, heißt es auf der Facebook-Seite der Villa. Mittlerweile habe man die homophoben Schmierereien wieder entfernt. Mit einem Transparent bekunden die Bewohner der Villa ihre Solidarität mit der Belgrade Pride.

Und es war nicht der einzige Angriff, den es in den letzten Tagen auf Lesben, Schwule und Transgender gegeben hat. „Beispielsweise kam es in der vergangenen Nacht zu sexistischen und lesbenfeindlichen Belästigungen durch Hooligans im Cafe Willendorf, dem Lokal in der Rosa Lila Villa. Ob diese in Verbindung mit der Beschmierung stehen ist unbekannt. In den letzten Tagen wurde auch das queere Lokal ‚Marea Alta‘ von ‚Identitären‘ überfallen und es kam zu einem Handgemenge“, berichtet die Rosa Lila Villa auf ihrer Facebook-Seite.

Demo als Zeichen der Solidarität

Als Zeichen der Solidarität mit der Villa und auch der Belgrade Pride laden der LGBT-Migrantenverein MiGaY und die Rosa Lila Villa zu einer Kundgebung ein. Man wolle „eine klare Botschaft gegen Homophobie, gegen Diskriminierung, gegen Gewalt“ setzen, so MiGaY. Treffpunkt ist um 16.00 Uhr in der Rosa Lila Villa, Regenbogenfahnen sollen nach Möglichkeit mitgenommen werden. Bis jetzt haben bereits mehr als 100 Menschen zugesagt, diese Solidaritätskundgebung zu unterstützen.