Klarnamen für Drag Queens: Facebook lenkt ein

Amerikas Drag-Queen haben beim Kampf um ihre Künstlernamen auf Facebook einen Etappensieg erreicht: Nach heftigen Protesten lenkt das soziale Netzwerk nun ein und möchte seine Pflicht zu Klarnamen nun anders auslagen.

Der Aufschrei in der Community war groß: Die Profile von Drag Queens und Kings sowie Transgendern, deren Profil nicht ihren juristisch korrekten Namen trug, wurden reihenweise gelöscht. Das hätte bedeutet, dass Drag Queens künftig unter einem Namen auf Facebook zu finden wären, den keiner kennt – und Transgender auf der Plattform mit ihrem ungeliebten juristischen Geschlecht kommunizieren müssen.

Für Sister Roma, eine der bekanntesten Drag Queens in San Francisco ein Skandal: Sie musste ihr Profil auf den Namen Michael Williams ändern – schließlich steht auch der im Führerschein. Unter dem kennt sie allerdings fast niemand – denn für die Stadt, ihre 5000 Fans und 4000 Abonnenten ist sie Sister Roma. „Ich bin unter diesem Namen seit 27 Jahren bekannt“, erklärt sie.

Und sie war nicht die einzige. „Alle Facebook-Profile fielen um wie die Fliegen“, erinnert sie sich. Ob New York, Los Angeles oder Seattle – überall sollten Drag Queens, Kings und Transgender ihren amtlichen Namen auf Facebook verwenden.

Mehr als 35.000 Menschen unterstützten daraufhin eine Online-Petition. Sie sollte zumindest Künstlern die Möglichkeit geben, Facebook mit ihrem Künstlernamen zu verwenden. „“Bitte fahren Sie fort, Geld mit dem Traffic zu machen, den wir auf Ihre Website bringen“, hieß es in Richtung der Social-Media-Plattform. Denn jahrelang wurden die Profile mit den Drag-Namen geduldet.

In einer ersten Gesprächsrunde war Facebook nicht besonders gesprächsbereit. Mitte September boten Vertreter den Drag Queens in einem Gespräch an, die bereits gelöschten Profile für zwei Wochen wieder zu öffnen – um den Namen zu berichtigen. Doch nun rudert das Soziale Netzwerk zurück.

„Unsere Vorschrift war nie, dass jeder Facebook-User seinen juristischen Namen nutzen muss“, erklärt nun Chris Cox, Chief Product Officer bei Facebook. Jeder solle bei Facebook den Namen verwenden, den er auch im echten Leben gebraucht. „Für Sister Roma ist das Sister Roma. Für Lil Miss Hot Mess ist das Lil Miss Hot Mess.“, so Cox. Die Bestimmungen seien zu eng ausgelegt worden, dafür entschuldigte sich der Facebook-Manager.

In einer Mitteilung von Cox heißt es: „Ich möchte mich bei der betroffenen Gemeinschaft von Drag Queens, Drag Kings, Transgendern und der größeren Gemeinschaft unserer Freunde, Nachbarn und Mitgliedern der LGBT-Gemeinschaft entschuldigen für das Leid, das wir Ihnen dadurch verursacht haben, wie wir mit Ihren Facebook-Konten in den letzten Wochen umgegangen sind.“ Man habe „jetzt begriffen, wie schmerzhaft das war. Wir schulden Ihnen besseres Service (…) und wir werden korrigieren, wie die Vorschriften gehandhabt werden, damit jeder Betroffene Facebook wieder nutzen kann wie zuvor“.

Dass Facebook prinzipiell keine Fake-Namen erlaube, ist für Chris Cox in Ordnung. Denn die meisten Fakes seinen Trolle, Betrüger oder Kriminelle. Allerdings will Facebook nun Methoden finden, Betrüger draußen zu halten und Drag Queens korrekt zu authentifizieren.

Entstanden ist das Dilemma, das Facebook mit den Drag Queens hat, offenbar selbst durch einen Troll: Cox berichtete, dass eine einzige Person mehrere hundert Konten aus der LGBT-Gemeinschaft als Fake gemeldet habe. Diese fielen in den tausenden Meldungen von Fake-Profilen nicht auf und wurden von unwissenden Mitarbeitern bearbeitet.